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Schmerztherapeuten und Palliativmediziner warnen vor Panikmache

DGS Aktuell


(Wiesbaden/Oberursel) "Morphin und dessen synthetische Abkömmlinge (Opioide) haben bei einer korrekten therapeutischen Anwendung in der Schmerztherapie und Palliativmedizin niemals eine lebensverkürzende Wirkung", erklären Experten des Schmerztherapeutischen Kolloquiums - Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie e.V.
"Kein Patient stirbt früher, weil wir seine Schmerzen mit Morphin behandeln", betont Dr. Thomas Nolte, Vizepräsident der Gesellschaft. "Vielmehr leiden viele Patienten unnötig unter Schmerzen", so der Palliativmediziner und Leiter des Schmerzzentrums Wiesbaden weiter, "weil ihre Ärzte im Umgang mit Morphin unsicher sind." Defizite der Medizinerausbildung in Deutschland sind dafür die Ursache. Diese Defizite sind auch dafür verantwortlich, dass Deutschland in Europa zu den Schlusslichtern auf dem Gebiet der Schmerztherapie gehört und in der Palliativmedizin immer noch einen großen Nachholbedarf hat.
Die Aussage, dass in der Palliativmedizin durch die Verabreichung starker Schmerzmittel eine Verkürzung des Lebens hingenommen werde, beruht auf immer noch weit verbreiteten Vorurteilen und Unkenntnis. "Schmerz ist ein massiver Stressfaktor", erklärt Nolte. Er beeinträchtigt nicht nur die Psyche, sondern beispielsweise auch das Immunsystem. Eine fachgerechte Schmerztherapie gibt den Patienten darum die Kraft für die wirklich wichtigen Dinge, auch und gerade in der letzten Lebensphase.
"Welche Schmerzmitteldosis ein Patient zur Schmerzlinderung benötigt ist allerdings sehr unterschiedlich", erläutert der Experte. Manche Patienten benötigen geringe Mengen, andere höhere Dosierungen. Dies hängt nicht nur von der Erkrankung und der Schmerzart ab. Es gibt auch individuelle Unterschiede bei der Verstoffwechselung der Opioide. "Ebenso können ungeklärte familiäre Konflikte und fehlende Aussprachen am Lebensende bereits bestehende Schmerzen verstärken", weiß Nolte.
Aus diesem Grund tasten sich die Schmerzexperten an die individuell erforderliche Dosierung heran. Nolte: "Wir steigern die Dosis ganz langsam, so lange, bis die Schmerzen ausreichend gelindert sind." Schwerwiegende oder gar lebensbedrohliche Nebenwirkungen treten bei diesem Vorgehen nicht auf. Dies verhindern vor allem auch die modernen so genannten retardierten Opioide, bei denen der Wirkstoff langsam und gleichmäßig über einen längeren Zeitraum freigesetzt wird.
Bei 95 Prozent der Patienten können die Schmerztherapeuten auf diesem Weg eine ausreichende Schmerzlinderung herbeiführen. Wenn es trotz Dosissteigerungen nicht gelingt, die Schmerzen unter Kontrolle zu bringen, stehen den Spezialisten auch noch andere Verfahren zur Schmerzlinderung zur Verfügung. Nolte: "Schmerz hat immer mehrere Dimensionen, biologische, psychische und soziale, die bei einer individuellen Therapie berücksichtigt werden müssen."

 

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