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Presse-Mitteilung
Nummer 06 • 10. März 2005
Aller Anfang ist leicht
»Bewegungsmangel ist in unserer modernen Gesellschaft eine Hauptursache von vielen Krankheiten«, betonen Experten auf dem 16. Deutschen Schmerztag in Frankfurt. Darum ist Bewegung ein wichtiges »Medikament« in der Schmerztherapie. Für Patienten, die wegen operativer Eingriffe zunächst nicht mobil sind, haben die Experten ebenfalls einen Tipp: Patienten können auf geistigen »Erinnerungsreisen« geschmeidige Bewegungen einüben.
»Mit dem Rauchen aufzuhören, ist nicht schwer, das habe ich schon zigmal gemacht.« Der saloppe Spruch trifft ein Problem vieler Menschen im Kern: »Aller Anfang ist leicht«, sagt Dr. Thomas Lange, Schmerztherapeut im thüringischen Rudolstadt. »Beharrlichkeit dagegen ist eine Kunst.« Er kam vor vier Jahren auf die Idee, seine Schmerzpatienten im Fitnessstudio regelmäßig Kraft- und Dehnungsübungen trainieren zu lassen. »Das Fitnesstudio wurde für meine Patienten zum Schlüssel für das Tor, das sie aus dem Teufelskreis von mangelnder Bewegung, mehr Beschwerden und noch weniger Bewegung entlässt«, freut sich Lange. »Alle wissen, dass Bewegung und Sport gesund sind. Was sie nicht wissen: Hat jemand schon Probleme, werden diese größer, wenn er sich nicht bewegt.«
Den inneren Schweinehund an die Kette legen. Wenn Bewegung schmerzt, meidet man sie erst recht. Daher sind viele Schmerzpatienten zunächst skeptisch. Doch das A und O für den Erfolg, der sich auf Dauer erst nach neun bis zwölf Monaten einstellt, ist die Motivation. Um zu zeigen, dass andere Schmerzpatienten das auch können und sogar Spaß daran haben, führt Lange seinen Patienten zunächst einen Film vor, der Betroffene bei Gymnastik- und Fitnessübungen zeigt. Anschließend werden die Patienten unter der Anleitung eines kompetenten und motivierten Trainers selbst aktiv. Sie bekommen einen für individuelle Bedürfnisse maßgeschneiderten Trainingsplan. Das Langesche Grundrezept gegen den Rückenschmerz lautet: Sport muss Abwechslung bieten. Das gelingt durch spielerische Kraft- und Gymnastikübungen.
Allein aus der Badewanne. Die große Mehrheit von Langes Patienten erntet inzwischen die Früchte ihres Schweißes. Zwar zeigt die Statistik, dass die Schmerzen nur um 20 bis 30 Prozent sinken, doch dafür haben die Fitnessschüler mehr Freude am Leben, weniger Depressionen und ein gutes Körpergefühl. Häufig sind es kleine Fortschritte im Alltag, die Langes Patienten und ihn selbst motivieren, weiterzumachen. »Neulich«, so der Therapeut, »erzählte mir der Ehemann einer Patientin, dass seine Frau dank des Trainings wieder allein aus der Badewanne kommt.«
Schöpfen aus der Erinnerung. Doch nicht alle Patienten können sich aktiv bewegen. Wer durch Schmerzen, Behinderungen oder operative Eingriffe in seiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt ist, kann stattdessen durch geistige Aktivität eigene Bewegungsmuster aus der Vergangenheit reaktivieren. Die Diplompsychologin Hanne Seemann vom Institut für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Heidelberg arbeitet mit ihren Schmerzpatienten in Trance. In diesem entspannten Bewusstseinszustand gelingt es den meisten Patienten, ihre »normalen«, »geglückten« Bewegungen wieder zu spüren. »Denn ebenso wie der Körper körperliche und seelische Verletzungen im Gedächtnis speichert, behält er auch frühere körperliche Bewegungserfahrungen«, argumentiert die Heidelberger Psychotherapeutin. Die Patienten gehen innerlich spazieren und fühlen sich dabei so wie früher. Das hilft ihnen, wieder zu geschmeidigen Bewegungen zu finden. «Das Verfahren ist sehr einfach«, so Seemann. »Ich wundere mich, dass es nicht öfter angewendet wird.«
Bilder gegen die Angst. Die Trance kann aber auch helfen, die Angst vor einer Operation zu nehmen. Bereits im Vorfeld von geplanten Operationen arbeitet die Psychotherapeutin mit ihren Patienten. Sie lernen, in Trance ihre Angst vor dem Eingriff mit anderen, positiven Bildern zu überlagern. »Das kann beispielsweise bei Skoliosepatienten die Vorstellung sein, dass sie nach der Operation größer sind«, so Seemann.
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