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Schmerzferien machen und aktiv werden

DGS Aktuell


Presse-Mitteilung

11. März 2005

Schmerzferien machen und aktiv werden

Eine spezielle Art von »Aktivurlaub« empfiehlt Professor Walter Zieglgänsberger Patienten mit chronischen Schmerzen auf dem 16. Deutschen Schmerztag in Frankfurt. Unter dem Schutz von Schmerzmedikamenten sollen positive Eigenaktivitäten dazu führen, das Schmerzgedächtnis zu überschreiben.

Dauernde Schmerzsignale verändern das Nervensystem. »Ursache dieser Veränderungen sind Lernprozesse«, erklärt Professor Walter Zieglgänsberger, Schmerzforscher am Münchener Max Planck-Institut für Psychiatrie. Diese Veränderungen können Forscher inzwischen auf allen Ebenen des Nervensystems bis hin zu den Molekülen im Zellkern von Neuronen nachweisen.

Und so laufen diese fatalen Lernprozesse ab: Macht ein Patient über eine gewisse Zeitdauer die Erfahrung, dass eine Bewegung schmerzhaft ist, beginnt er die Bewegung zu meiden – er fürchtet den Schmerz. Dies setzt nach einiger Zeit einen Teufelskreis in Gang. Angst und Vermeidungsverhalten verstärken die Produktion von Schmerzimpulsen, selbst wenn diese eigentlich harmlos sind. Dies zieht die Patienten in eine Abwärtspirale aus Schmerz, schwindender Kondition und Muskelkraft, noch mehr Schmerz, noch mehr Angst, noch mehr Schonung bis hin zu Depression und sozialem Rückzug.

Diese fatale Lernprozesse können sich zwar tief ins Nervensystem eingraben, doch dies bedeutet nicht, dass daran nichts mehr geändert werden könnte. »Man kann diese für den Patienten schädlichen Lerninhalte zwar nicht ausradieren«, sagt Walter Zieglgänsberger, aber man kann sie überschreiben.« Denn genau nach diesem Prinzip funktioniert das Lernen in allen Bereichen des Lebens: Durch Wiederholung sinken »alte« Gedächtnisinhalte ab und werden durch neue Inhalte überlagert.

Neue Inhalte für das Schmerzgedächtnis. »Da chronischer Schmerz ein angelerntes Verhaltensmuster ist, kann dieses auch prinzipiell wieder verändert werden«, sagt Zieglgänsberger. Möglich ist dies mit einer medikamentös gestützten Verhaltenstherapie. Dabei schicken die Ärzte mit Hilfe von Schmerzmitteln zunächst in die »Schmerzferien«, d.h., der Schmerz wird massiv unterdrückt. Allerdings ist dann nicht Schonung angesagt. Diese Zeit muss der Patient vielmehr dazu nutzen, um zu lernen, dass er sich schmerzfrei bewegen kann. Er verliert dadurch die Angst vor dem Schmerz. Die positiven Erfahrungen beginnen die negativen Inhalte zu überlagern.

Dieser Prozess ist natürlich langwierig, er fordert Eigeninitiative und Eigenaktivität, die vielen Patienten mit langjährigen Krankengeschichten nicht leicht fallen. Doch die positiven Erfahrungen zeigen den Betroffenen auch, dass es sich lohnt, hartnäckig weiterzumachen, um aus dem Teufelskreis heraus zu kommen.

Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V. :
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