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Presse-Mitteilung
Nummer 05 • 10. März 2005
Wenn jede Bewegung weh tut
In Deutschland leiden etwa zwölf Millionen Menschen an Schmerzen im Bewegungssystem – etwa drei Viertel aller Schmerzpatienten. Die Beschwerden haben verschiedene Ursachen und müssen daher entsprechend differenziert behandelt werden. Entscheidend wichtig ist eine gute Schmerztherapie, die den Betroffenen dabei hilft, (wieder) in Bewegung zu kommen.
In Deutschland leiden von den 15 bis 16 Millionen Menschen schätzungsweise 12 Millionen an Bewegungsschmerzen. Hinter diesen Zahlen verbergen sich nicht nur viele individuelle Leiden, sondern auch hohe Belastungen des Gesundheitssystems: Alleine für die Rehabilitation dieser Patienten müssen jährlich etwa 5,5 Milliarden aufgewendet werden – nicht enthalten sind darin die Kosten für langjährige Therapien bei verschiedenen Ärzten und in vielen Fällen wiederholte Operationen.
Unter der Bezeichnung Bewegungsschmerz fassen Experten zum einen Schmerzen zusammen, die ihren Ursprung in Störungen des Bewegungssystems, in Gelenken, der Wirbelsäule, in Muskeln und Bändern haben. Umgekehrt verursachen aber auch Schmerzsyndrome mit anderen Ursachen Veränderungen und Schmerzen im Bewegungssystem – beispielsweise durch Fehlhaltungen. Der Bewegungsschmerz sitzt darum im Rücken, ist die Folge degenerativer oder entzündlicher Gelenkerkrankungen. Zu den Bewegungsschmerzen rechnen die Experten aber auch die starken Schmerzen des so genannten komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS), das oft nach Operationen und Verletzungen oder Nervenwurzelausrisse (Plexusausriss).
Der Schmerz im Bewegungssystem kann morphologische oder funktionelle Ursachen haben, er kann durch Entzündungen oder Muskelverspannungen verursacht werden, es kann sich um verschiedene Schmerztypen handen, die entweder von geschädigten oder zerstörten Nervenbahnen selbst (Nervenschmerz) oder von Schmerzfühlern in den Geweben (Nozizeptorschmerz) erzeugt werden.
»Diesem Spektrum müssen wir in der Diagnostik und Therapie Rechnung tragen«, betont Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident des Deutschen Schmerztages. Darum diskutieren die mehr als 2000 Teilnehmer auf der Tagung die ganze Palette und vor allem das Zusammenwirken der verschiedenen diagnostischen und therapeutischen Strategien – von Medikamenten über Bewegungs- und Verhaltenstherapien, Biofeedback, Akupunktur bis hin zur Hypnotherapie. Denn sicher ist, dass es die alleinige Therapiemethode oder gar eine Wunderpille, die jeden Schmerz kuriert, nicht gibt und wohl auch niemals geben wird.
Entscheidend wichtig ist eine gründliche Diagnostik. Gründlich bedeutet für Schmerztherapeuten die Drei-A-Regel: Den Patienten ausziehen, anschauen und anfassen. Diese Funktionsdiagnostik bei der Fehlhaltungen, morphologische Störungen und Muskelverspannungen festgestellt werden können, erscheinen zwar simpel, liefern jedoch oft bessere Aussagen als Röntgenbilder CT- oder Kernspinaufnahmen. »Die Bilderflut in der Diagnostik zeigt zwar durchaus die Realität, aber nur selten die relevante Ralität«, erklärt Müller-Schwefe.
Die Zeitachse spielt bei der Auswahl der medikamentösen Strategien eine entscheidende Rolle. Schmerzen, die erst seit kurzer Zeit bestehen, müssen anders behandelt werden als Patienten, die schon seit längerer Zeit bestehen.
Bei Schmerzen, die unter einer Woche andauern, setzen die Experten Coxibe, NSARs und/oder Flupirtin ein. Auch Lokalanästhetika und Corticosteroide kommen zum Einsatz.
Halten die Schmerzen schon länger, bis zu drei Monaten an, setzen die Spezialisten Flupirtin, Coxibe, NSARs, Opioide der Stufe II wie Tilidin/Naloxon, Tramadol ein. Auch in diesem Fall kommen Lokalanästhetika und Muskelrelaxanzien zum Einsatz.
Dauern die Schmerzen bereits länger als drei Monate an, wächst die Bedeutung der Opioide, sie rutschen nun auf Platz Nr. eins. Ebenfalls kommen nun - neben den anderen Medikamenten – auch Antidepressiva zum Einsatz, da diese in die Schmerzverarbeitung eingreifen.
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