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Blue sky: Mit Outdoor gegen Krebs

"Blue sky" - hinter diesem Titel verbirgt sich ein bundesweit einzigartiges Projekt der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Stuttgart, für krebskranke Jugendliche ab 13 Jahren. Outdooraktivitäten - mehrtägige Segeltörns an der Nordsee, anstrengende Rucksacktouren durch Nordnorwegen bis zu aufregenden Kajakfahrten - sollen Jugendlichen nach oder während Krebstherapien wieder helfen, Selbstbewusstsein und Lebenskraft zu schöpfen. Nach einem ersten Projekt 1998 startet eine zweite Gruppe im August nach Nordnorwegen, schildert der Projektleiter Armin Wirth, Stuttgart.


Ein strahlendes Gesicht trotz Chemotherapie:
Marina, eine der Teilnehmerinnen der ersten Tour.

inder mit Krebserkrankungen werden durch ihre häufigen Krankenhausaufenthalte und das Leben nach Therapieplänen ständig aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen und verlieren dadurch an Selbstvertrauen und Zuversicht. Selbst wenn die Krebstherapie erfolgreich war, haben sie während und nach der Therapie oft Schwierigkeiten, wieder Anschluss zu finden. Freundschaften sind in die Brüche ge-
gangen, und vielfach hält auch die Familie diesen vielfältigen Belastungen nicht stand. Neben der Krank-
heit müssen viele der jungen Patienten mit Scheidungen der Eltern, Alkoholproblemen in den Familien oder einem Leben im Kinderheim fertig werden. Die "heile Welt" kennen viele dieser Kinder nur noch vom Hörensagen. Mit "Blue sky", einem Paket von Outdooraktivitäten, bietet die Johanniter-Unfallhilfe e.V. dieses Jahr bereits zum zweiten Mal ein Kontrastprogramm zum grauen Klinikalltag an.
Nach vier Kennenlernwochenenden, in denen den Projektteilnehmern Erste Hilfe, Orientierungskunde und die Technik für Kanu und Kajakfahrten vermittelt werden, starten die 18 Teilnehmer im August zum Abenteuerwandern in Nordnorwegen. Zehn Tage fern der Zivilisation mit Übernachtungen in einfachen Hütten mit Holzofen und Kerzen werden den Teilnehmern sicher wieder viel Zuversicht in den eigenen Körper geben und ihnen ein unvergessenes Teamerlebnis bereiten. Nach den Erfahrungen des Pilotprojektes vor zwei Jahren schaffen es krebskranke Kinder, diese Belastungen von Tagesmärschen bis zu 20 km pro Tag anzunehmen. Jeder zurückgelegte Kilometer erfüllt sie mit neuem Selbstvertrauen.
Brutale Wirklichkeit: Fünf neue Tumore
Die Teilnahme an "Blue sky" verspricht leider keine Wunderheilung, wie das Beispiel von Marina zeigt. Kurz vor dem Beginn der Tour 1998 wurden bei ihr fünf neue Tumore festgestellt, die Ärzte gaben ihr dennoch grünes Licht für die Tour nach Norwegen. Aber die letzten Tage der Tour konnte sie nur noch mit Medikamenten gegen ihre starken Schmerzen überstehen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie aber ihre Krankheit fast völlig vergessen.
Kurz nach der Heimkehr musste sie zur erneuten Bestrahlung und abermaligen Chemotherapie. Obwohl ihr die Haare wieder büschelweise ausfallen und sie durch die Chemotherapie wieder schlapp und ausgepowert wird, lässt sich Marina ihre wiedergefundene Lebensfreude nicht nehmen. Sogar ein Treffen der "Blue sky"-Gruppe organisiert sie. Oft denkt sie an die Tour zurück. "Davon zehre ich heute noch, und es gibt mir Hoffnung". Inzwischen wurde fast ein Kilogramm Tumormasse operativ entfernt, und nun freut sich Marina auf die zweite Blue-sky-Tour.
Das Beispiel zeigt, dass sich "Blue sky" lohnt. Outdoorerlebnisse können Krebskranken neues Selbstbewusstsein vermitteln. Das Projekt sollte daher weiterlaufen. Da die Teilnahme für die Kinder kostenlos ist, braucht das Projekt Sponsoren.




Big-Backpacking-Tour in Nordnorwegen:
Wieder Vertrauen in den eigenen Körper.


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ARMIN WIRTH, Stuttgart / DGS


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