| Zervikales myofasziales Syndrom |
| Im Gegensatz zum Überlastungssyndrom als Ausdruck eher
diffuser, nicht eindeutig lokalisierbarer, muskulärer und/oder
ligamentärer Überbeanspruchung dominieren beim myofaszialen Syndrom
lokale, eindeutig palpable Muskelverspannungen, -verhärtungen bzw.
-verkürzungen, die aufgrund einer mechanischen Provokation durch Dehnung,
Druck oder exentrischer Kontraktionsbelastung zu einem als dumpf-drückend
oder ziehend empfundenen Schmerz führen. Man findet häufig
Triggerpunkte mit ausstrahlenden Schmerzen. |
| Therapie: Eine medikamentöse Behandlung ist nur in Ausnahmefällen
notwendig. Der Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie dient der
Behandlung von muskulären Triggerpunkten. Neben einer krankengymnastischen
Haltungsschulung mit rhythmisch-dynamischer Stabilisation stehen
Massagetechniken, unterstützt von warmer Moorerde oder Fango, im
Vordergrund. Auch hier können als Entspannungsverfahren die progressive
Muskelrelaxation nach JACOBSON oder das
Muskelbiofeedback sehr gute Dienste leisten. |
| Zervikales Irritationssyndrom |
| Der zervikale Irritationsschmerz imponiert als intensiver
Spontan-, Druck- und Bewegungsschmerz gereizter Wirbelgelenke und
ligamentärer Weichteilstrukturen, wobei schon geringfügige
Bewegungsexkursionen der Halswirbelsäule und kurzfristige Belastungen
einen intensiven und lang anhaltenden diffusen Schmerz auslösen.
Häufig klagen die Patienten über einen nächtlichen Schmerz.
Diagnostisch charakteristisch ist ein starker, entweder sofort einsetzender,
manchmal auch erst nach einer kurzen Latenzzeit auftretender
Postbelastungsschmerz, der im Gegensatz zum Überlastungssyndrom
länger als zwei bis drei Stunden anhält und nur langsam
nachlässt. |
Therapie: Zur medikamentösen Behandlung können
Nichtopioidanalgetika eingesetzt werden. Im Rahmen der therapeutischen
Lokalanästhesie kommen entweder lokale muskuläre Infiltrationen im
Bereich von Triggerpunkten zur Anwendung oder Nervenblockaden im Bereich der
Wirbelgelenke. Sogenannte Facettenblockaden können entweder ungezielt mit
größeren Volumina von Lokalanästhetika (z.B. 5 ml 0,25%-iges
Bupivacain) etwa 4-5 Zentimeter seitlich des entsprechenden Dornfortsatzes auf
die Lamina der Halswirbelsäule appliziert werden oder unter
Bildwandlerkontrolle seitlich des Gelenkfortsatzes und hinter das Foramen
intervertebrale mit geringerem Volumen. Aus der Krankengymnastik hat sich vor allem
das MAITLAND-Konzept, beginnend mit Stufe I und Stufe
II, die reflektorische Atmungstherapie nach SCHMITT,
eine intensive Haltungsschulung mit rhythmisch-dynamischer Stabilisation und
die postisometrische Relaxation bewährt. Auch die transkutane elektrische
Nervenstimulation (TENS) ist indiziert. Von den Entspannungsverfahren steht die
progressive Muskelrelaxation nach JACOBSON im
Vordergrund. |
| Zervikale segmentale
Funktionsstörungen |
| Die segmentalen Funktionsstörungen sind durch eine
Mobilitätseinschränkung (Hypomobilität) oder/und durch vermehrte
segmentale Beweglichkeit (Hypermobilität oder diskoligamentäre
Instabilität) der kraniozervikalen und/oder zervikalen Bewegungssegmente
charakterisiert. Die segmentalen Hypermobilitäten unterteilt man in
Bewegungsauffälligkeiten mit vermehrter segmentaler Beweglichkeit ohne
Zerreißung des Kapselbandapparates und in die segmentale
diskoligamentäre Instabilität mit totaler oder subtotaler
Zerreißung des Kapselbandapparates. |
| Dabei ist ein Nebeneinander von Hypo- und Hypermobilität bzw.
diskoligamentärer Instabilität auf verschiedenen Ebenen möglich.
Bei der manuellen Untersuchung findet man Druckempfindlichkeit und
Verhärtungen der regionalen Muskulatur, lokal betonte
Druckschmerzhaftigkeit der betroffenen Gelenkkapseln und einen schmerzhaften
Bewegungsbogen bei aktiver Flexion/Extension oder Rotation. Sowohl die
segmentale Mobilitätseinschränkung als auch die Hypermobilität
lassen sich nur durch Röntgenfunktionsaufnahmen der HWS in
Flexion/Extension sichern. |
| Therapie: Zur medikamentösen Therapie werden Nichtopioidanalgetika
eingesetzt. Die therapeutische Lokalanästhesie des entsprechenden
Segmentes kann durch intraartikuläre Applikation von
Lokalanästhetika, evtl. in Kombination mit Kortikosteroiden, unter
Bildwandlerkontrolle wesentlich zur Schmerzlinderung bzw. Schmerzfreiheit
beitragen. Bei einer diskoligamentären Instabilität ist eine
physikalische Therapie nicht indiziert. Je nachdem, ob es sich um eine
segmentale Hypo- oder Hypermobilität handelt, werden entweder manuelle
Mobilisationstechniken (keine Manipulationen) nach dem MAITLAND- und KALTENBORN-EVIJENTH-Konzept oder muskulär stabilisierende Techniken
eingesetzt. |
| Zervikale radikuläre Syndrome |
| Durch Irritation (ohne neurologische Ausfälle) bzw.
Kompression (mit neurologischen Ausfällen) zervikaler Nervenwurzeln
(radikuläre Syndrome C3-C8) können einseitige Schmerzen entstehen,
die in unterschiedlicher Dauer, Intensität und Häufigkeit Dermatom,
Myotom und Sklerotom betreffen. Folgende Charakteristika müssen dem
Ausbreitungsgebiet der betroffenen komprimierten Wurzel zuzuordnen sein:
Neurogene Schmerzen, Steigerung der Schmerzintensität durch mechanische
Provokation, Störung der Oberflächensensibilität und der
Algesie, Herabsetzung der Kraft in den Kennmuskeln (bei stärkerer und/oder
längerer Schädigung Muskelatrophie), Ausfall bzw. Abschwächung
des Muskeleigenreflexes, Dehnungsschmerz der entsprechenden Wurzel bzw. des
peripheren Nervs. |
| Eine radikuläre Symptomatik kann auch ohne Vorliegen einer
direkten mechanischen Kompression durch eine knöcherne Einengung oder eine
Diskushernie auftreten; sie ist nicht mit der Diagnose einer
Bandscheibenprotrusion bzw. eines Bandscheibenvorfalls identisch.
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| Therapie: Für die medikamentöse Behandlung eignen sich
Nichtopioidanalgetika und/oder Antikonvulsiva. Bei der therapeutischen
Lokalanästhesie kommen Wurzelblockaden unter Röntgenkontrolle
(Bildwandler oder Computertomographie) oder eine peridurale, segmentale
Applikation von Lokalanästhetika, evtl. in Kombination mit
Kortikosteroiden, zur Anwendung. In der Krankengymnastik sind eine manuelle
Mobilisation und postisometrische Relaxation, isometrische Stabilisation der
Schulter- und oberen Thoraxmuskulatur sowie die sensomotorische Aktivierung der
Schulter- und Armmuskulatur indiziert. Elektrotherapeutisch werden die
transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) und die Galvanisation im
Schulter- und Armbereich eingesetzt. Unterstützend wirken kurz dauernde,
kühle bis kalte Wickel um den entsprechenden Arm. Auch hier ist die
progressive Muskelrelaxation nach JACOBSON das geeignete
adäquate Entspannungsverfahren. |