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9. Weltkongreß zum Thema Schmerz in Wien

Mit über 1500 Vorträgen und 4000 Teilnehmern wird der multidiszipli-
näre Weltkongreß in Wien zum Thema Schmerz ein herausragendes wissenschaftliches Ereignis. Vom 22. bis 27. August 1999 dreht sich
im Austria Center Vienna (ACV) alles nur um den Schmerz.
Die Teilnehmer kommen aus 80 Ländern, und nahezu alle Fachdisziplinen der Medizin (von der Anästhesie über Neurochirurgie, Neurologie, Orthopädie, Innere Medizin, Rehabilitationsmedizin, Pädiatrie) und der angrenzenden Fachgebiete wie Zahnmedizin, Psychologie, Krankenpflege, Beschäftigungstherapie, Sozialarbeit usw. sind vertreten.


Vom Molekül bis zum ZNS
Der Kongreß der IASP zeichnet sich durch eine Vielzahl internationaler Beiträge aus, die fast das gesamte Spektrum der Schmerzforschung und Schmerztherapie auf dem Gebiet der akuten und chronischen Schmerzen thematisch abdecken. Vorab informieren wir kurz über das vielseitige Programm dieses Kongresses, und in einem Interview schildert der Kongreßpräsident die Ziele und Hoffnungen, die mit diesem Kongreß verknüpft sind, exklusiv für die DGS-Leser. Ein Kongreßbudget von über 1,5 Millionen Dollar und eine Vorbereitungsdauer von fast zweieinhalb Jahren versprechen einen Kongreß der Superlative in der Schmerzforschung.
Praxisnahe Refresherkurse
Bereits den ersten Kongreßtag können Teilnehmer für intensive, jeweils dreistündige Refresherkurse nutzen, in denen sie ihre praktischen Kenntnisse auf den internationalen Standard nach dem bei Kindern", "Anästhesiologische und neurochirurgische Techniken der Schmerztherapie", "Klinische Praxis der Schmerztherapie von der Anamnese, Patientenführung bis hin zur Qualitätssicherung", "Spinale Schmerzsyndrome", der Pharmakologie, dem Stellenwert der Physiotherapie, der psychologischen Untersuchung und der kognitiven Verhaltenstherapie bei Schmerzen. Darüber hinaus können sich die Kongreßteilnehmer aber auch Themen der Schmerztheorie, "der Rolle des ZNS bei der Schmerzverarbeitung", den "Anforderun gen der klinischen Studien bei der Schmerztherapie", den "neuen Trends bei der Evidence-Based Decision Making" oder "der Philosophie und Schmerzen" oder den "Schmerzgrundlagen von den Genen bis zum Schmerz" widmen. Für alle Refresherkurse werden den Teilnehmern Kompendien mit an die Hand gegeben, in denen die Kerninhalte zusammengefaßt sind.
Plenarsitzungen und Workshops
Ab dem zweiten Kongreßtag vom 23.-27. August laufen vormittags Plenarsitzungen und am späten Vormittag und nachmittags themengebundene Workshops. Dem hochaktuellen Thema "Nozizeption und Hyperalgesie" widmet sich die erste Plenarsitzung mit dem Vortrag von JOHN WOOD, London (UK), zum Thema "Primärer Nozizeptor: Besondere Funktionen und Rezeptoren", gefolgt von den Ausführungen von MARIA ADELE GIAMBERARDINO, Chieti, Italien, zum Thema "Viszerale Hyperalgesie". Abgerundet wird die Sitzung durch den Beitrag von PER KRISTIAN EIDE, Oslo, Norwegen, zum Stand der klinischen Studien mit den NMDA-Rezeptor-Antagonisten als Analgetika. "Nervenverletzungen und Dysfunktion" ist das Thema am 24. August, in dem die Tiermodelle von MARTIN KOLTZENBERG, Würzburg, die Natriumkanäle und ihre Regulation von STEPHEN WAXMAN, New Haven, USA, "die iatrogenen Schmerzsyndrome" von PAOLO MARCHETTINI, Mailand, Italien, und die Bedeutung der endogenen Opioidsysteme von GAVRIL PASTERNAK, New York, USA, kompetent dargestellt werden. Schmerzsystemen und ihrer Pharmakologie widmet sich die dritte Plenarsitzung, in der die nichtinvasiven bildgebenden Verfahren, die transgenen Mausmodelle und die Genetik des Schmerzes ausführlich erörtert werden. Am Donnerstag werden die Schmerzsyndrome diskutiert: Den neuropathischen Schmerz stellt MICHAEL ROWBOTHAM, San Francisco, USA, dar, die Migräne als genetisch determinierte neurovaskuläre Krankheit präsentiert MICHEL FERRARI, Leiden, Niederlande, und der norwegische Experte HARALD BREIVIK erörtert High-Tech- Versus-Low-Tech-Zugänge zum postoperativen Schmerz. Last but not least steht am Freitag der Schmerzkranke als Thema der Plenarsitzung auf dem Programm mit kritischen Themen wie "Was haben wir aus den klinischen Studien gelernt?" (ANDREW MOORE, Oxford, UK) oder "Was leisten die Verhaltenstherapie und die kognitive Therapie, wenn die medikamentöse Therapie versagt hat?" und "Genügt das Charisma? Was bringen die nichtspezifischen Therapieeffekte?" (RICHARD GRACELY, Bethesda, USA).
Eine Unzahl von themengebundenen Workshops bieten am Spätvormittag und nachmittags Gelegenheit, Einblicke in die Welt der Schmerzforschung oder in die Ergebnisse der klinischen Therapie zu nehmen. Die bunte Palette reicht hier von hochwissenschaftlichen Themen aus der Zell- und Molekularbiologie wie "ATP-Rezeptoren", "Zytokine und Entzündungsschmerz", "Neurotrophine und Schmerz" bis hin zu Praxisalltagsthemen wie den Krankheitssyndromen, z. B. "Verbrennungsschmerzen" oder "Schmerz im Alter". Psychosoziale Therapieverfahren, Schmerzdiagnostik, medikamentöse und interventionelle Therapieansätze werden in den Workshops intensiv erörtert. Selbst den ethischen, gesetzlichen, finanziel len Rahmenbedingungen und der aktuellen Ausbildungssituation wird ein eigener Workshop reserviert.
350 Poster pro Tag
Wer bei der Fülle der Vorträge auch noch die Pausen nützen will, dem bieten über 350 Poster pro Tag mit den neuesten Daten zur Schmerzforschung und Schmerztherapie weltweit sicher genügend Anregungen und Diskussionsstoff für die Kaffee- und Mittagspausen.
Hochkarätige Satellitensymposien
Zahlreiche Satellitensymposien finden am Rande des Weltkongresses statt. Das Thema "Neuropathische Schmerzen - Postherpetische Neuralgien" wird vom 17.-19. August am Wörthersee diskutiert. Neben der Diagnostik, Pathophysiologie und den Risikofaktoren werden ausführlich Therapiemöglichkeiten wie TENS und medikamentöse Strategien mit Topika, Nicht-Opioiden, NMDA-Antagonisten, Antikonvulsiva, Antidepressiva in ihrem Stellenwert erörtert. Auch die invasiven Therapietechniken (Regionalanästhesie, Nervenblockaden, neurochirurgische Techniken und psychologische Behandlungsmaßnahmen), die bei der postherpetischen Neuralgie aussichtsreich sind, werden dargestellt. Der Plastizität des Nervensystems und dem chronischen Schmerz widmet sich ein Satellitensymposium vom 15.-18. August in Heidelberg von J. SANDKÜHLER, M. ZIMMERMANN, Heidelberg und G. F. GERHART, Iowa
Relaxen nach dem Kongreß?
Nicht zu verachten sind auch die Angebote des Rahmenprogrammes, das neben der Altstadtbesichtigung auch Ausflüge in die Wachau, ins Burgenland und Besichtigungen von Schloß Schönbrunn und dem Museum für Schöne Kunst sowie einen "Heurigen-Abend" und ein Konzert des Schönbrunner Hofkapellen Orchesters offeriert. Wer den Besuch der österreichischen Metropole noch für einen anschließenden Sommerurlaub nutzen möchte, könnte auch nach dem Kongreß ins Salzkammergut oder nach Ungarn fahren oder an der Reise auf den Spuren Mozarts von Prag bis Salzburg teilnehmen und versäumt nichts von dem spannenden wissenschaftlichen Programm.



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