 |
Was
sind die Hauptziele, die Sie bereits erreicht haben? |
| Wir verfolgen
aufgrund der multidisziplinären Zusammensetzung unserer Gesellschaft natürlich
mehrere Ziele: Da 80% unserer Mitglieder Kliniker sind, liegt der Schwerpunkt
auf der Verbesserung der Schmerztherapie in den unterschiedlichsten Fachgebieten
- der Neurologie, Orthopädie, Chirurgie, Onkologie usw. Unser Hauptziel ist
die bessere Versorgung aller Schmerzkranken. Gegen viele Schmerzformen gibt es
inzwischen relativ effiziente Therapieformen, wie z.B. bei postoperativen
Schmerzen, aber auch gegen Krebsschmerzen. Werden Morphine und Opioide richtig
eingesetzt, können wir Krebsschmerzen bei 70 bis 95% der Patienten
ausreichend behandeln. In diesen Bereichen haben wir mit unseren
Therapieempfehlungen sicher vieles bereits deutlich verbessert. Noch vor wenigen
Jahren wurden Morphine nur in England, Dänemark und Finnland ausreichend
verordnet, heute werden sie auch in Deutschland, Italien, Spanien, Amerika und
Frankreich häufiger verschrieben. |
| Daneben ist
die Grundlagenforschung zum Schmerz eine weitere Aufgabe, bei der wir auch
bereits ein wesentlich besseres Verständnis der Pathophysiologie der
verschiedenen Schmerzsyndrome erreicht haben. |
 |
Was
sind für Sie Highlights der Tagung in Wien? |
| Mit Spannung
erwarte ich die Ergebnisse der Plenarsitzungen und der über 80 Workshops.
Mit Sicherheit werden die vielen wissenschaftlichen Vorträge über neue
Schmerzmodelle unsere Grundlagenkenntnisse über die Pathomechanismen der
Schmerzgenese weiter abrunden. |
| Die
Molekularbiologie, die es uns ermöglicht, die neuen Rezeptoren zu klonen
und neue Techniken für Knock-Out-Modelle von Genen zu entwickeln, ist ein
spannendes Gebiet der modernen Algesiologie. Auch dazu erwarten wir viele neue
Daten in Wien. |
| Große
Hoffnungen setze ich persönlich in die bildgebenden Verfahren, die uns
endlich nichtinvasive Einblicke ins menschliche Gehirn ermöglichen. Bisher
war die Forschung hier durch ethische Grenzen limitiert. PET und
Kernspintomographie eröffnen uns hier neue Wege. Zumindest bei Gesunden
liefern diese Verfahren sehr homogene, konsistente Ergebnisse. Hier werden wir
in Zukunft sicher noch mehr am Patienten arbeiten können. |
| Schmerzen
sind ein sehr komplexes Phänomen mit emotionalen,
sensorisch-diskriminativen Komponenten im ZNS und psychologischen, kognitiven
und Verhaltensaspekten, die sich lange den Forschern entzogen haben. |
| Eine weitere
große Aufgabe für die Zukunft liegt bei der besseren Evaluation der
Therapieempfehlungen. Nicht nur die Kosteneffektivität, sondern auch die
Sicherheit der modernen invasiven Therapieformen wie z. B. der Neurostimulation
sind zu prüfen. Einige der modernen Techniken sind sehr teuer, und ohne
eine gründliche Evaluation werden diese aufwendigen Behandlungen von den
Krankenkassen nicht ersetzt werden. Spannend ist auch die Genetik bei den
Schmerzerkrankungen, die bisher noch in den Kinderschuhen steckt, aber auch
vielversprechend ist. Hier können wir sicher noch viel dazulernen. |