![]() Jürgen Sandkühler, Heidelberg. |
![]() Das Nervensystem als Ursache von chronischen Schmerzen Was verbirgt sich hinter neuropathischen Schmerzen? Das Nervensystem selbst wird nicht von Nozizeptoren innerviert, dennoch kann es unter pathophysiologischen Bedingungen zur Ursache von chronischen Schmerzen werden, informiert Prof. Dr. med. Jürgen Sandkühler, Heidelberg, Kongreßpräsident des Heidelberger Satellitensymposiums. | |
| Grundlagenwissenschaftler und Schmerztherapeuten aus aller Welt stellen in Heidelberg neue Konzepte über die molekularen und zellulären Ursachen chronischer Schmerzen und den Einsatz von bildgebenden Verfahren bei Schmerzpatienten vor. | ||
| Die Ursachen von neuropathischen, rheumatischen oder entzündlichen Schmerzen sind heute auf molekularer und zellulärer Ebene teilweise aufgeklärt. Die Entschlüsselung der Signaltransduktionswege im Nozizeptor eröffnet neue Möglichkeiten der therapeutischen Intervention und liefert der pharmazeutischen Industrie neue Ansatzpunkte ("targets") für die Entwicklung peripher wirkender Analgetika. Bei der synaptischen Übertragung nozizeptiver Informationen vom peripheren auf das zentrale Nervensystem im Rückenmark finden ebenfalls klinisch relevante Langzeitveränderungen statt. Hier können die Ursachen für anhaltende Steigerungen der Nozizeption im Sinne einer Hyperalgesie oder einer Allodynie liegen. |
| An dieser synaptischen Umschaltung kann aber auch sehr wirksam therapeutisch eingegriffen werden, sowohl pharmakologisch als auch mit Gegenirritationsverfahren. Schließlich finden auch bei dem komplexen Wechselspiel zwischen körpereigener Schmerzabwehr, vegetativem Nervensystem, Immunsystem und dem nozizeptiven System Veränderungen statt, die zur Chronifizierung von Schmerzen beitragen können. Die Kontroverse um den Nutzen und die Indikationsstellung der präventiven Analgesie (engl.: preemptive analgesia) zeigt, daß die Umsetzung von gesicherten Erkenntnissen aus den Grundlagenwissenschaften in praktische Erfolge bei der Schmerztherapie in diesem Bereich noch nicht zufriedenstellend gelöst wurde. |
| Neue Dimensionen eröffnet |
| Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch, daß sich Grundlagenforschung und Klinik beim Thema Schmerz wie in kaum einem anderen Fach gegenseitig befruchtet und vorangetrieben haben. Neue Forschungsergebnisse wurden oft innerhalb weniger Jahre in sehr wirksame Formen der Schmerztherapie umgewandelt. Unter den zahlreichen Belegen, die sich hierfür nennen ließen, seien die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) genannt, die nach der Formulierung der "Gate-Control-Theorie" erfolgreich in die Schmerztherapie eingeführt wurde, oder die intrathekale Anwendung von Opioiden nach Aufklärung der Opioidwirkungen im Hinterhorn des Rückenmarks. Schließlich kann heute die tiefe, elektrische Hirnstimulation für sonst therapieresistente Schmerzen eingesetzt werden, nachdem die körpereigene Schmerzabwehr durch absteigende Hemmung im Rückenmark entdeckt worden war. |
| Fächerübergreifende Diskussion |
| Das Heidelberger Symposium hat sich zum Ziel gesetzt, den aktuellen Stand der Forschung auf diesem Gebiet durch internationale Meinungsführer zu vermitteln und eine fächerübergreifende Diskussion anzustoßen. Das Symposium soll ein Forum für einen interdisziplinären Ideenwettbewerb darstellen, den es in einer so hochkarätigen Besetzung in Deutschland wohl kaum so bald wieder geben wird. Grundlagenforscher, Schmerztherapeuten aus Klinik und Praxis und Studenten werden für drei Tage intensiv über aktuelle Konzepte der Chronifizierung von Schmerzen und über neue Strategien der Schmerzvermeidung und -bekämpfung miteinander diskutieren. |
| Im Namen der Organisatoren lade ich Sie hiermit herzlich ein, nach Heidelberg zu kommen und an diesem Ereignis teilzuhaben. Wir freuen uns auf Sie und auf all diejenigen, die sich bereits aus vier Kontinenten für dieses Symposium angemeldet haben. |