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Winfried Hoerster,
Gießen.
Urlaubsmitbringsel Fibromyalgie?
ist sie auch noch ansteckend?


Eine Fibromyalgie kann in seltenen Fällen beide Ehepartner treffen, aber eine Ansteckungsgefahr besteht bei diesem Symptomenkomplex mit den unterschiedlichsten Funktionsstörungen im Regelfall nicht. Sekundäre Fibromyalgien auf dem Boden anderer Grunderkrankungen gibt es zwar, aber auch nach Tropenaufenthalt ist eine familiäre Häufung einer Fibromyalgie extrem unwahrscheinlich, berichtet Dr. med. Winfried Hoerster, Gießen. Das Krankheitsbild der Fibromyalgie steckt aber nach wie vor voll ungeklärter Fragen, und eine diagnostische Unsicherheit bleibt leider oft bestehen.

Dr. F. B., Hann, Münden: Bei meinem Patienten handelt es sich um einen 60jährigen Mann, der nach langem Tropenaufenthalt seit etwa fünf Jahren an einer Fibromyalgie leidet. Eine hochdosierte Behandlung mit Amitriptylin besserte die Beschwerden deutlich. Jetzt teilt der Patient mit, daß seine wenige Jahre jüngere Ehefrau ebenfalls die typischen Symptome aufweist, die er auch an sich selbst aus leidvoller Erfahrung kennt. Inzwischen hat die Frau zahlreiche Fachärzte (Orthopädie, Neurologie, Chirurgie, Innere Medizin) konsultiert, und es wurden verschiedene Diagnosen gestellt. Eine definitive Behandlung wurde jedoch nicht vorgeschlagen,die Diagnose Fibromyalgie wurde von den Kollegen abgelehnt. Ich selbst habe die Frau noch nicht gesehen. Meine Fragen dazu lauten:
1. Ist bekannt, ob die Fibromyalgie innerhalb von Familien oder bei Ehepartnern gehäuft auftritt?
2. Gibt es Berichte über Zusammenhänge zwischen Tropenerkrankungen oder anderen exogenen Noxen und dem Auftreten von Fibromyalgien?
Dr. med. WINFRIED HOERSTER, Gießen: Über eine Häufung der Fibromyalgie bei Ehepartnern ist nichts bekannt. Eine Disposition, die familiär gehäuft auftritt, wird vermutet. Eine Vererbung im klassischen Sinn gibt es nach heutigem Wissensstand nicht.
Mehrere Erforscher des generalisierten Fibromyalgiesyndroms gehen von einer besonderen Persönlichkeitsstruktur aus, die aus einer Veranlagung im ungünstigen Falle zu einer Erkrankung führt. Die Veranlagung mag vererbbar sein. Klare Nachweise, wie z.B. bei den Migränefamilien, gibt es jedoch nicht. LASER (1996) geht davon aus, daß eine gewisse Disposition vorhanden sein muß, damit aus einem Prodromalstadium - als solches führt er die muskuläre Dysbalance im Sinne von JANDA (1979) an - nach vielen Jahren das Teil- oder Vollbild eines Fibromyalgiesyndroms wird.
Unabtrennbar zu dieser Disposition gehören allgemeine Minderbelastbarkeit, reduziertes Leistungsvermögen und vermindertes adäquates Reaktionsvermögen auf Streß, auch verbunden mit Dysbalancen im Hormonhaushalt mit unterschiedlichsten Ausprägungen. Da es sich bei der Fibromyalgie um einen Symptomenkomplex unterschiedlichster funktioneller Störungen und weniger um ein klar definiertes Krankheitsbild handelt, ist eine familiäre Häufung bisher jedenfalls nicht beweisbar. Die in letzter Zeit vermehrt vertretene Ansicht, die Fibromyalgie sei eine psychische Erkrankung, wird von zahlreichen Forschern entschieden bestritten; u.a. MÜLLER (1991, 1997), LASER (1996). Die Hauptursache wird von MÜLLER den Wirbelsäulenerkrankungen zugeschrieben.
Die beim aktiven Typus vorherrschende, fast krampfhafte Betriebsamkeit trotz mangelnder Belastbarkeit mit einer übertrieben aufopfernden Grundhaltung und der Unfähigkeit zur äußeren und inneren Entspannung, verbunden mit dem deprimierenden Gefühl der mangelnden Anerkennung, bringt ganz sicher familiäre spannungsgeladene Konfliktsituationen, die möglicherweise als familiäre Häufung der Fibromyalgie fehlgedeutet werden.
Zu Frage 2: Seit MÜLLER (1991) kennen wir die Unterscheidung eines Fibromyalgiesyndroms in primäre und sekundäre Fibromyalgie, wobei die sekundäre Fibromyalgie auf dem Boden einer anderen Erkrankung entsteht. Es ist lediglich diese Tatsache bekannt, nicht aber, ob bei Tropenerkrankungen oder bestimmten exogenen Noxen ein besonderer Zusammenhang mit dem Entstehen einer sekundären Fibromyalgie erwartet werden kann. Berichte zu diesem Fragenkomplex sind nicht bekannt.
Nach wie vor besteht ein Gefühl der Unsicherheit bei der Diagnose und Bewertung des Leidens, die eine Beantwortung der Fragen so schwierig und unbefriedigend macht.



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