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Narkosekomplikationen durch Kartoffeln ?

ine Reihe von alltäglichen Nahrungsmitteln und frei verkäuflichen Medikamenten können Anästhesie und Narkosereaktion von Patienten dramatisch verändern, warnt JANICE HOPKINS TANNE: Nach Studien der amerikanischen Gesellschaft der Anästhesiologen beeinflussen zum Beispiel Kartoffeln, Tomaten und Auberginen durch die Insektizide, die bei ihrem Anbau verwendet werden, die speziellen Glykoalkaloide, den Metabolismus vieler Muskelrelaxanzien und Anästhetika wie z. B. Suxamethonium. Gerade Kartoffeln werden als Gemüse oder als Chips in großen Mengen konsumiert und sind die bedeutendste Quelle für die tückischen Glykoalkaloide, die für mehrere Tage im Körper bleiben und auch durch das Kochen nicht verändert werden.
Diese Insektizidrückstände hemmen die Butylcholinesterase, über die viele Anästhetika abgebaut werden, und auch die Azetylcholinesterase, die das Azetylcholin metabolisiert, das für die normale Muskel- und Nervenfunktion wichtig ist. Klinisch relevant sind diese Nahrungsmittelrückstände vor allem bei Patienten mit einer genetischen Variation der Butyrylcholinesterase, bei denen sich dann die Wirkungs-
dauer der Muskelrelaxanzien auf fünf bis zehn Stunden statt der üblichen 40 bis 90 Minuten verlängert. Bislang gibt es leider keinen Test, um vor der Narkose derartige Risiko-
personen mit erhöhten Konzentrationen von Glykoalkaloiden zu identifizieren. Daher empfehlen die amerikanischen Anästhesisten, die Patienten bei der Narkoseaufklärung künftig auch über ihre Ernährungsgewohnheiten zu befragen.
Ebenso unterschätzt wie die Nahrungsmitteleinflüsse werden auch die frei verkäuflichen Medikamente, die die Patienten regelmäßig einnehmen. So ergab eine weitere amerikanische Studie an 169 Patienten, die sich einem elektiven chirurgischen Eingriff unterziehen wollten, daß 43% zerebral wirksame Medikamente wegen nichtpsychiatrischer Indikationen einnahmen, z. B. um abzunehmen. Welche Interaktionen sich hier mit den Narkosemitteln ergeben können, ist noch weitgehend unbekannt und sollte künftig intensiver analysiert werden.
JANICE HOPKINS TANNE : Food and drugs alter response to anaesthesia. Brit. Med. J. 317: 1102, 1998.


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