Inhaltzurückweiter


Akupunktur: Plazebonadel kontrovers diskutiert

Leserecho: KONRAD STREITBERGER und JULIA KLEINHENZ, Heidelberg:
Stellungnahme zu dem Beitrag "Akupunkturforschung auf Irrwegen?" DGS Heft 1, 1999:


n der Zusammenfassung des Artikels "Introducing a placebo needle into acupuncture research" ist die Pilotstudie fälschlicherweise als Doppelblindstudie bezeichnet worden. Eine Verblindung des Akupunkteurs ist auch mit der neuen Plazebonadel nicht möglich.
Wir haben mit der Entwicklung einer neuen Plazebomethode versucht, die Anforderungen an ein Plazebo möglichst gut zu realisieren.
Dabei war auch uns durchaus klar, wie FELIX MANN und THOMAS FLÖTER in ihrem Kommentar schreiben, daß jeder schmerzhafte Reiz eine Wirkung erzielen kann. In der Akupunktur kann zwar jede Art von Reiz verwendet werden, die Wirksamkeit ist jedoch stark abhängig von der jeweiligen Reizart und Reizstärke. Das Hauptproblem sahen wir darin, daß es schwer möglich ist, einem Patienten, der nichts von der Nadel spürt, klarzumachen, er sei akupunktiert worden. Mit unserer Pilotstudie haben wir nachgewiesen, daß mit der Plazebonadel eine Akupunktur glaubhaft simuliert werden kann.
Das Schmerzempfinden beim Aufsetzen der Nadel kann nicht als Indikator für das Ausmaß einer Akupunkturwirkung gesehen werden. Wir sind, wie auch FELIX MANN und THOMAS FLÖTER, der Meinung, daß ein großer Schmerz nicht unbedingt die stärkste Wirkung haben muß. Über mögliche Wirkungen der Plazebonadel kann und will die Pilotstudie keine Aussagen machen. Die Wirkung ist mit Sicherheit geringer als bei den bisher üblichen invasiven Plazebomethoden. Mit der neuen Plazebonadel eröffnen sich neue Möglichkeiten zur Erforschung von Wirkungen und Wirkmechanismen der Akupunktur. Die Zukunft wird zeigen, ob sich diese Art von Akupunkturforschung auf Irrwegen befindet.

Schlußwort von THOMAS FLÖTER, Frankfurt, und FELIX MANN, London:
Die Stellungnahme von STREITBERGER und KLEINHENZ läßt Zweifel aufkommen, ob wir über dasselbe sprechen.
1. Die Stärke, d. h. die Dosis einer Akupunkturbehandlung kann nur sehr grob und ungenau durch den Vergleich der Schmerzstärke verschiedener Stimuli gemessen werden, gibt es doch bei der Akupunktur so viele modulierende Einflüsse, daß eine Messung so gut wie nutzlos ist.
2. Nicht die Reizart, sondern die Qualität der Sinnesempfindung, die auf einen Stimulus folgt, beeinflußt das Behandlungsergebnis. Dies ist der Grund, daß ein Nadelstich oder eine Massage mit einem stumpfen Instrument an genau der gleichen Stelle zum gleichen Effekt führen können - oder eben auch nicht -, selbst wenn der Schmerz bei der Behandlung ähnlich stark ist.
3. Aus diesen beiden und noch verschiedenen anderen Gründen sind wir der Meinung, daß es so gut wie unmöglich ist, eine aussagekräftige Methode der Plazeboakupunktur zu erfinden.


HOMEzurückweiter