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Serie Manuelle Medizin


Manuelle Medizin in der Schmerztherapie

Teil 3: Das KiSS-Syndrom – Diagnostik und Therapie

Die Kopfgelenk-induzierte-Symmetrie-Störung ( das „KiSS-Syndrom“) stellt eine der wichtigsten Indikationen gezielter ärztlicher Manualtherapie bei Säuglingen dar. Segmentale Dysfunktionen des Achsenorgans beeinträchtigen die weitere normale sensomotorische Entwicklung. Nur wenn diese Lagedeformitäten des Säuglings frühzeitig erkannt und behandelt werden, sind die Spätfolgen, wie hartnäckige Kopfschmerzen im Kindesalter, zu vermeiden. Die manualmedizinische Diagnostik und Therapie des KiSS-Syndroms stellt daher MR Dr. med. Wolfgang Bartel, Leiter der DGS Halberstadt, im dritten Teil der Serie Manualmedizin dar.


Wolfgang Bartel,
Halberstadt.

Ursachen dieser Funktionsstörungen sind:
intrauterine Fehllage,
geburtstraumatische Schädigung,
postpartale Traumen und
Mischformen.


Die Wirbelsäule des Erwachsenen wird von den Versäumnissen der Jugendzeit geprägt (JUNGHANS)! Jede Dysfunktion ist Quelle einer veränderten Propriozeption und führt zur Entwicklung pathologischer Afferenzmuster. Daraus lässt sich die Forderung ableiten, dass im Säuglingsalter bei Auffälligkeiten hinsichtlich Körperhaltung, Spontanbewegung und des Verhaltens nach sogenannten Blockierungen und somit nach Störungen der propriozeptiven Sensorik zu fahnden ist. Eine gestörte Sensorik kann kein normales motorisches Muster programmieren. Kennzeichnend für die frühkindliche neurophysiologische Entwicklung ist die Differenzierung sensomotorischer Programme.
Ziele der sensomotorischen Entwicklung bei Kleinkindern sind:
Bezüglich Grobmotorik: Aufrichten aus der Horizontallage gegen die Schwerkraft zum Stand und zur Fortbewegung in aufrechter Haltung
Bezüglich Feinmotorik: Öffnen der geballten Hände und Entwicklung differenzierter Bewegungsmuster, die spezialisierte Manipulation ermöglichen
Propriozeptoren des Halses nehmen eine Schlüsselstellung bei der Koordination von Kopf- und Augenbewegungen ein sowie bei der Kontrolle der Körper- und Extremitätenstellung (zerebrovestibulozervikale Schleife).
C0/C1/C2 (Kopfgelenke) bilden ein sensorisches Organ, das für die posturale Entwicklung von entscheidender Bedeutung ist. Eine Aufrichtung in den Stand und die Fortbewegung in aufrechter Haltung sind ohne funktionsfähiges Nackenrezeptorenfeld nicht möglich. Ähnliches gilt auch für das Iliosakralgelenk (ISG).
Kurze Signalwege zwischen den Propriozeptoren der Kopfgelenke und der Formatio reticularis und die engen Verbindungen zu den Steuerzentren der posturalen Muskulatur erklären die unmittelbare Wirkung biomechanischer Störungen in den Segmenten C0 bis C3 auf den Tonus der betroffenen Muskelgruppen.




Therapie
Die Behandlung von segmentalen Dysfunktionen im Säuglings- und Kindesalter benötigt ein therapeutisches Management, in dem entsprechend weitergebildete Ärzte, Physiotherapeuten - aber auch die Eltern, eng zusammenarbeiten müssen, jeder auf seinem Gebiet.
Bei dem hohen Prozentsatz funktionellreversibler Dysfunktionen der Wirbelsäule im Säuglingsalter mit häufig weitreichenden Konsequenzen für das gesamte Bewegungssystem ist die Manuelle Therapie unerlässlich, sie ist die Therapie der ersten Wahl.
Diagnostik

Voraussetzung für eine gezielte Therapie ist eine genaue Diagnostik - eine pathogenetische Aktualitätsdiagnose nach GUTMANN. Wir stellen die Indikation zu einer Behandlung nicht wegen einer gewissen Erkrankung, sondern aufgrund pathogenetischer wichtiger Störungen. Bei der Diagnostik ist wichtig - je enger der Blickwinkel, um so schlimmer das Ergebnis.

Die Diagnostik beim KiSS-Syndrom stützt sich auf die Anamnese (Tab. 1), die Symptome (Tab. 2 und 3), die manualmedizinische Funktionsdiagnose (Tab. 4 und 5) und die radiologische Funktionsdiagnose. Anamnese und klinische Untersuchung haben dabei die absolute Priorität, behandelt wird eine Funktionsstörung und kein Röntgenbild.

Die Therapie beim KiSS-Syndrom richtet sich streng nach den erhobenen Befunden (befundadäquate Therapie). Auch bei diesem Krankheitsbild keine Therapie nach der DAWOS-Methode, da wo es weh tut - sonst sind wir verloren oder unser Patient.




Gezielte Mobilisationstechniken

Wie behandle ich am richtigen Ort zur richtigen Zeit mit welcher Methode? Zur Behandlung eignen sich sowohl Mobilisationstechniken als auch die gezielte Manipulation. Die Manipulation sollte sanft ausgeführt werden.
Sanfte Manipulaton "3xK"
Kurzer Weg
Kleine Kraft
Kurze Zeit.
Wie oft sollte man behandeln? Die Behandlungshäufigkeit richtet sich streng nach dem Befund und ist individuell unterschiedlich. Es gibt dafür kein festes Schema. Unbedingt notwendig ist, dass die Therapie durch eine gezielte Physiotherapie nach VOJTA und BOBATH weitergeführt wird. Die Manuelle Medizin vermag zwar biomechanische und damit auch sensomotorische Verbesserungen zu erzielen, ohne diese begleitende Physiotherapie kann sie aber die Bewegungsplanung und Programmierung nicht verändern.

WOLFGANG BARTEL, Halberstadt


KiSS - Syndrom - eine Erfindung der Chirotherapeuten
oder Alltagsrealität ?
 
Kaum eine Diagnose der Chirotherapie ist so umstritten wie das KiSS-Syndrom. Von der renommierten Zeitschrift "Zeit" wurde sie als Erfindung geldgieriger Chirotherapeuten angeprangert, die mit dieser Diagnose gesunde Kinder zu zahlenden Patienten stempeln. "Purer Humbug" stellt KiSS für den Heidelberger Pädiater Prof. CLAUS CARSTENS dar, der einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhält. Anhänger der KiSS-Theorie wie der Chirotherapeut ERIK KOCH aus Eckernförde in Schleswig-Holstein schätzen dagegen, dass sich ein KiSS-Syndrom bei 90% der Kinder mit Dauerkopfschmerzen als Ursache findet. Auch Symptome wie Schlafstörungen, die Dreimonatskoliken und Hyperaktivität soll die Kopfschiefhaltung auslösen. Nach den Schätzungen der Chirotherapeuten leidet etwa jedes zehnte Kind hierzulande an einem KiSS-Syndrom.
Mit WOLFGANG BARTEL haben wir in dieser Ausgabe einen Verfechter der umstrittenen Diagnose zu Wort kommen lassen. Ein Argument für seine Diagnose sind für ihn nicht zuletzt die Therapieerfolge. So schreiben ihm die Eltern herzlichste Dankesbriefe:
"Schon am nächsten Tag nach der chirotherapeutischen Behandlung zeichnete sich eine deutliche Besserung ab. Das Kind trinkt nun besser, weint viel weniger und hat einen ruhigeren Schlaf. Die vorher wochenlang quälenden und mit nichts zu bessernden Bauchkrämpfe sind völlig verschwunden".
"Wir sind über die Begegnung mit Ihnen nur noch froh und dankbar! Nach den ersten Behandlungen änderte sich der Zustand von Mathias schnell und für alle sichtbar. Uns war es endlich möglich, zu ihm eine normale Beziehung aufzubauen. Eigentlich hat Mathias zwei Geburtstage, sein zweiter war die erste Behandlung bei Ihnen, die wir immer in dankbarer Erinnerung behalten".
Ihre Meinung ist gefragt:
Schreiben Sie der DGS-Redaktion
Stichwort KiSS-Syndrom - Pro und Contra - Humbug oder Realität?

Stephanie Kraus
Nikolaus-Lenau-Str. 3 · 83071 Stephanskirchen
Telefon 08036/1031, Telefax 08036/3949

S.W.Kraus@t-online.de
 

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