| Leserecho |
| Zum Beitrag von DR. MED. MARKUS WEBER im DGS Heft 3, 2002, S. 7-10 |
| Dr. med. HANS HEINRICH VOM
BROCKE, Arzt für Neurologie und
Psychiatrie, Wuppertal-Ronsdorf: Zum Beitrag von Herrn WEBER möchte ich ergänzen, dass zusätzlich zu dem psychosomatischen Schmerzmodell auch das coenästhetische als Ursache infrage kommt, insbesondere bei seinem Fallbericht der jungen Frau, die als Vierzehnjährige ihre Behandlungs- Odyssee begann. Ähnliche Krankheitsverläufe wurden von Prof. G. HUBER und GISELA GROSS als Coenästhesien bei endogenen oder schizophrenen Psychosen diagnostiziert (Nervenheilkunde 1987, 6, 216-220, psycho 19 (1993), 495-502) und werden als Hinweis auf eine Alteration bestimmter Hirnregionen u.a. im limbischen System aufgefasst. |
| Die Coenästhesie-Geplagten sind eher selten, aber jeder von ihnen hat eine jahrelange bis jahrzehntelange Leidensgeschichte hinter sich. Ein Chirurg aus Bielefeld, an den sich eine von mir schließlich erfolgreich behandelte Telefonistin wandte, kommentierte sarkastisch und gleichzeitig betroffen, dass die Krankenakte ja schon eine beeindruckende Dicke erreicht habe. |
| Während psychotherapeutische Behandlungen und invasive
Eingriffe scheitern, sprechen Coenästhesien gut auf Neuro- und/oder
Thymoleptika an. Das Wichtige an diesem coenästhetischen Krankheitssyndrom
ist, dass es im Grund als eine Synapsenstörung, also als chemische
Erkrankung des zentralen Nervensystems aufgefasst werden muss, ohne
primäre Störungen der Beziehungsfähigkeit der Patientin oder des
Patienten, so dass die schwierigen Übertragungs- und
Gegenübertragungsphänomene entfallen, wie sie leider eben auch
krankheitsauslösend und -erhaltend sein können. |
| Schlussbemerkung
Dr. Markus Weber, Steinfurt Sehr geehrter Kollege VOM BROCKE, herzlichen Dank für Ihren Kommentar, der die differentialdiagnostische Liste gut ergänzt. Wie Sie betonen, handelt es sich bei der Coenästhesie um eine eher seltene Sonderform aus dem schizophrenen Formenkreis. Um so mehr sei deshalb die interdisziplinäre Behandlung solcher Patientinnen betont. Wir sind weder in der Klinik noch in der Praxis die Alleskönner, auch wenn wir nicht selten genug dazu beitragen, dieses Bild in der Öffentlichkeit immer wieder neu zu zimmern und zu erhalten. Meist gelingt es uns bei einigen Erkrankungen eine Besserung, ja Heilung zu erzielen. Bei chronischen Erkrankungen jeglicher Ätiologie laufen wir aber als Einzelkämpfer immer wieder Gefahr, ans Ende entweder unseres Lateins, unserer Kräfte oder aber unserer Geduld zu kommen. Da wir uns die Hilflosigkeit angesichts des offensichtlichen Misserfolgs unserer Arbeit aber oft nicht bewusst machen, agieren wir unter Umständen die entstehende Aggressivität an den Patientinnen ab. Und schon MARK TWAIN wußte: If you have a hammer, everything looks like a nail! |
![]() Markus Weber, Steinfurt. |
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| MARKUS WEBER, Steinfurt. |