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Akutmedizin

Erfahrungen mit dem
Hamburger Akutschmerz-Fragebogen

Für die Erfassung und Erhebung von chronischen Schmerzen stehen standardisierte Schmerz-Fragebögen von DGS und DGSS zur Verfügung (in Zukunft hoffentlich ein gemeinsamer). Für den Einsatz bei Akutschmerzen wurde in Hamburg ein Kurz-Fragebogen erarbeitet, der sich seit einem Jahr bei den Teilnehmern der Hamburger Schmerzkonferenz bewährt hat. Dieser „Kurz-Fragebogen bei akuten Schmerzen“ wird von Dietrich Jungck, DGS-Leiter in Hamburg und Präsident des VDÄA vorgestellt.
Dietrich Jungck, Hamburg
chmerz-Fragebögen sind unverzichtbarer Bestandteil der Schmerzanalyse bei Patienten mit chronischen Schmerzen und Schmerzkrankheiten. Sie sind etabliert, von den Fachgesellschaften gefordert und für Vertragsärzte zwingender Bestandteil der Versorgung von Schmerzpatienten, wenn sie an den Schmerztherapie-Gesellschaftbarungen teilnehmen wollen. Wir sind sicher, dass bei vielen Patientinnen und Patienten die Chronifizierung vermieden oder in der Frühphase aufgehalten werden könnte, wenn auch bei akuten oder neu aufgetretenen Schmerzen eine exakte Schmerzanalyse durchgeführt werden würde, die sowohl die Lokalisation der Schmerzen, deren Stärke und deren Art erfasst. Mit großer Wahrscheinlichkeit könnten auch Erwägungen von operativen Eingriffen vermindert werden, wenn auf den ersten Blick ersichtlich ist, dass z.B. keinesfalls radikuläre Schmerzen vorliegen.
Immer wieder wurde darüber geklagt, dass für eine solche Schmerzanalyse die bisher zur Verfügung stehenden Schmerz-Fragebögen weniger oder nicht geeignet sind, weil zum Ausfüllen die notwendige Zeit und Ruhe fehlen und weil viele Fragen dieser Bögen nur bei chronischen Schmerzen relevant sind, so z.B. die Fragen nach Vorbehandlungen und Vorbehandlern, Krankenhaus- und Reha-Aufenthalten. Andere Bestandteile der Fragebögen sind auch bei Akutschmerzen unverzichtbar, so das Körperschema, Angaben zum Schmerzbeginn und zur Beschreibung der Schmerzen, außerdem die visuelle Analogskala zur Erfassung der Intensität der Schmerzen.
Wir haben deshalb vor einem Jahr einen alltagstauglichen kurzen Fragebogen entworfen, der die Vorteile der bisherigen Schmerz- Fragebögen nutzt, aber zum Ausfüllen nur sehr wenig Zeit erfordert. Dennoch liefert er trotz seiner Kompaktheit wesentliche Informationen für die Erstdiagnostik.
Dieser Fragebogen steht seitdem allen Hamburger Ärzten, Psychologen und Physiotherapeuten aus Praxis und Klinik zur Verfügung, die an unseren Schmerzkonferenzen und Veranstaltungen teilnehmen, außerdem den Mitgliedern des Hamburger Schmerz- Verbundes.
Die in diesem Instrument enthaltene Zeichnung stammt aus dem allerersten DGSSchmerz- Fragebogen aus dem Jahr 1985. Die Adjektive, die sich von denen aus bekannten Fragebögen deutlich unterscheiden, sind den Erfordernissen der Akutdiagnostik angepasst.
Die allgemein bekannte visuelle Analogskala wurde so modifiziert, dass die Zielvorstellung „keine Schmerzen“ für die Patientinnen und Patienten nach rechts gesetzt wurde (bekannt aus dem Heidelberger Schmerz-Tagebuch der DGS).
Auch dieser Fragebogen wird von den Patienten selbst ausgefüllt. Er bietet damit eine – auch im Zweifelsfall juristisch relevante – Dokumentation der Ausgangssituation vor dem Einsatz weiterer Untersuchungen und der Therapie.
Der Einsatz sei an einigen Beispielen kurz skizziert:
Der erste Blick auf die visuelle Analogskala erlaubt schon dem Assistenzpersonal eine erste Entscheidung, ob der Patient sofort vorzustellen ist oder ob in der Praxis oder in der Notaufnahme die aktuelle Arbeit ohne Unterbrechung abgeschlossen werden kann.
Bei Patienten mit akuten Rückenschmerzen und „Ischias“ erlauben die Angaben die Unterscheidung zwischen radikulären und nicht radikulären Schmerzen, wobei die Zeichnung auf den ersten Blick ein dringendes operatives Vorgehen ausschließen oder erwägen lassen kann.
Hamburg in Vorreiterposition.
Auch evtl. vorgesehene Verfahren der interventionellen Schmerztherapie müssen überdacht werden, wenn multiregionale oder ubiquitäre Schmerzen angegeben werden.
Bei Patienten mit akutem Zoster erlaubt die Zeichnung die meist recht exakte segmentale Zuordnung der Erkrankung.
Ein Cluster-Kopfschmerz ist zumindest unwahr- scheinlich, wenn die Eintragungen im Körperschema beidseitig im Gesicht erfolgt sind und die Adjektive nicht passen.
Ebenso kann eine genuine Trigeminusneuralgie ausgeschlossen werden, wenn der Patient dauernde Schmerzen angibt.
Physiotherapeuten ermöglicht die Verwendung des Fragebogens eine Beurteilung der akuten Situation der Patienten und bedeutet eine Hilfe bei der Kommunikation mit verordnenden Ärzten. Die bisherigen Rückmeldungen aus den Praxen und Krankenhäusern sind positiv. Hausärzte, die die meisten Patientinnen und Patienten mit Akutschmerzen sehen, begrüßen den Fragebogen als praktikable und auch zeitsparende Hilfe im täglichen Einsatz. Ähnliches wird von den Orthopäden geäußert, die den Bogen einsetzen. Kollegen aus der Klinik schätzen den Bogen inzwischen auch als Hilfe im hektischen Alltag des Aufnahme- und Stationsbetriebes. Nicht erstaunlich ist, dass alle Anwender von Zeitersparnis durch die Anwendung berichten.
Nach einem Jahr der Erprobung können wir den Hamburger Akutschmerz-Fragebogen, der gerne aus dieser Zeitschrift kopiert werden kann, für den allgemeinen Einsatz empfehlen. Für Rückmeldungen sind wir dankbar.
DIETRICH JUNGCK, Hamburg

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