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Kongresse - Schmerzforschung

Einfluss von CYP2D6 Polymorphismen auf
die postoperative Analgesie mit Tramadol

Das Cytochrom P4502D6 besitzt einen polymorphen Genort, dessen verschiedene Allele zu einer veränderten Enzymaktivität des Cytochroms führen können. „Poor Metabolizers“ (PM, ca. 10 % der Kaukasier) mit zwei nicht funktionellen Allelen weisen keine Enzymaktivität auf und können im Gegensatz zu „Extensive Metabolizers“ (EM) Tramadol nicht in seinen am µ-Opioidrezeptor aktiven M1-Metaboliten (+)O-Desmethyl-Tramadol umwandeln. Anhand dieses Beispiels illustriert Priv.-Doz. Dr. med. Ulrike Stamer, Bonn, dass Polymorphismen die Wirkung von Medikamenten beeinträchtigen können und daher in Zukunft bei einer rationalen Pharmakotherapie auch in der Schmerztherapie berücksichtigt werden müssen.
war bleibt der analgetische Effekt vermittelt über eine Serotonin- und Noradrenalin- Reuptake-Hemmung von diesen Polymorphismen unberührt. In einer Studie konnte die Bonner Anästhesiologin allerdings nachweisen, dass die sieben mit dem PM-Genotyp assoziierten Mutationen sich negativ auf die postoperative Analgesie mit Tramadol auswirkten.
Methodik
Nach Genehmigung durch die Ethikkommission und schriftlichem Einverständnis wurden 300 Patienten nach einem größeren abdominellen Eingriff in die Studie eingeschlossen. Vor Ende der Operation, die in standardisierter Allgemeinanästhesie durchgeführt wurde, wurden 1 g Metamizol, 100 mg Tramadol und 10 mg Metoclopramid i.v. infundiert. Im Aufwachraum konnte zusätzlich bei Bedarf Tramadol (maximal 3 mg/kg KG) titriert werden, bis ein Schmerzscore von <40 (Numerische Ratingskala 0–100) erreicht wurde. Die weitere Analgesie erfolgte mit Tramadol (20 mg/ml), Metamizol (200 mg/ml) und Metoclopramid (0,4 mg/ml) als PCA (Bolus 1 ml, Sperrzeit 8 Minuten) über 48 Stunden. Bei unzureichender Analgesie wurde als Ausweichmedikation Piritramid i.v. titriert.
Romantisches Münster.
Demographische und OP-relevante Daten, Analgetikaverbrauch, Bedarf an Ausweichmedikation und die Schmerzscores in Ruhe und unter Belastung wurden über 48 Stunden dokumentiert und zwischen PM (Poor Metabolizer) und EM (Extensive Metabolizer) verglichen. Primärer Endpunkt war das Ansprechen der Patienten auf die Medikation (Response). Patienten wurden als Responder eingestuft, wenn sie während der 48-stündigen Untersuchungsphase keine Ausweichmedikation benötigten und im abschließenden Patientenfragebogen ihre Zufriedenheit mit der Schmerztherapie äußerten. Ein Patient wurde als Nonresponder eingestuft, wenn er Ausweichmedikation benötigte oder im abschließenden Fragebogen eine negative Beurteilung abgab.
Die Genotypisierung erfolgte aus EDTABlut des Patienten. Mit Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und Echtzeit-PCR wurden die Mutationen *3 (A 2637 del), *4 (G 1934 A), *6 (T 1795 del), *7 (A 3023 C), *8 (G 1846 T) und *14 (G 1846 A) sowie die *5-Deletion untersucht.
Ergebnisse der Genotypisierung
Die Allelhäufigeit im Gesamtkollektiv entsprach Befunden aus früheren Untersuchungen, mit dem CYP2D6*4 Polymorphismus als am häufigsten gefundene genomische PM-assoziierte Variabilität (Allelhäufigkeit 0,21). Insgesamt 35 Patienten wiesen zwei nicht funktionelle Allele auf und wurden als PM eingestuft. Alle Patienten mit mindestens einem Wildtypallel (98 heterozygote, 9 mit Duplikationen, 158 ohne Nachweis einer Mutation) wurden als EM kategorisiert.
Ergebnisse der klinischen Untersuchung
Von 271 Patienten standen vollständige Daten für die 48-stündige klinische Untersuchungsphase zur Verfügung.
Demographische und OP-abhängige Variablen waren vergleichbar zwischen EM (n=241) und PM (n=30). Der Anteil der Nonresponder war in der PM-Gruppe (46,7%) signifikant höher als in der EMGruppe (21,6%, p=0,005).
Im Aufwachraum musste bei den PM mehr Tramadol titriert werden als bei EM: 144,7±22,6 vs. 108,2±56,9 mg (p<0,001). Weiterhin benötigten PM im Aufwachraum häufiger Ausweichmedikation als Patienten mit wenigstens einem Wildtypallel (43,3% versus 21,6%, p=0,02). Der kumulative, über PCA applizierte Tramadolverbrauch betrug bis zur 24. Stunde bei den PM 656±265 mg, bei den EM 532±240 mg. Während der 48-stündigen PCA-Periode erhielten zusätzlich 26,7% der PM und 11,6% der EM Ausweichmedikation.
Schlussfolgerung
Trotz der gleichzeitigen Applikation von Metamizol, welches bei einigen Patienten u. U. schon eine suffiziente Analgesie hervorrufen könnte, gab es mehr Nonresponder bei Patienten mit einer PM-assoziierten Mutation. Genetische Varianten im Bereich von CYP 2D6 tragen somit zur individuellen Variabilität des Ansprechens auf Schmerzmedikation bei. Polymorphismen mit Auswirkung auf die Metabolisierung von Medikamenten werden in Zukunft entscheidende Bedeutung für eine rationale Pharmakotherapie auch in der Schmerztherapie haben. Die Metabolisierung zahlreicher weiterer Medikamente ist abhängig von CYP2D6. Mangelnde Analgesie unter Codein, aber auch schwere Nebenwirkungen unter trizyklischen Antidepressiva sind beschrieben.
ULRIKE STAMER, Bonn

ulrike.stamer@ukb.uni-bonn.de

Literatur
Stamer UM, Lehnen K, Höthker F, Bayerer B, Wolf S, Hoeft A, Stuber F.: Impact of CYP2D6 Genotype on Postoperative Tramadol Analgesia. Pain 2003, 105: 231–238
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