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Pharmakotherapie

Mit Opioiden gegen neuropathischen Schmerz

„Bei neuropathischen Schmerzsyndromen sind Opioide nachweislich wirksam, sie sind opioidsensibel“, so das Fazit der Experten auf dem Pressegespräch* des Schmerzspezialisten Mundipharma am Rande des Deutschen Kongresses der Gesellschaft für Neurologie in Hamburg. Bei ungefähr 60 bis 70 Prozent der Patienten mit peripheren Schmerzen und 30 bis 40 Prozent mit zentralen Schmerzen wird mit Opioiden eine gute Schmerzlinderung erreicht.
Professor RALF BARON von der Klinik für Neurologie an der Universität Kiel stellte zwei kontrollierte Studien mit Oxycodon vor, die an Patienten mit neuropathischen Schmerzen eine gute Schmerzreduktion nachweisen. So zeigen Watson und BABUL, dass Oxycodon im Vergleich zum Plazebo bei Patienten mit postzosterischer Neuralgie sowohl zu einer signifikanten Minderung der Dauerschmerzen, der einschießenden Schmerzen als auch der Allodynie führt. Die Effektivität von retardiertem Oxycodon bei starken Schmerzen – verursacht durch diabetische Polyneuropathie – belegt eine Studie von GIMBEL / PORTENOY.
Anwendungsbeobachtung unter Praxisbedingungen
Priv.-Doz. Dr. ROLAND WÖRZ vom Schmerzzentrum in Bad Schönborn präsentierte zwei multizentrische Beobachtungsstudien mit starken bis sehr starken peripheren und zentralen neuropathischen Schmerzen: „Die unter Praxisbedingungen gewonnenen Informationen bestätigen Wirkung und gute Verträglichkeit von retardiertem Oxycodon bei peripheren und zentralen neuropathischen Schmerzen“, so WÖRZ. Durchgeführt wurden die Studien an 603 Patienten mit diabetischen Polyneuropathien, postherpetischen Schmerzen, Phantomschmerzen oder Plexusläsionen. Die Schmerzintensität ging im Untersuchungszeitraum von 6,8 auf 2,6 auf der Numerischen Ratingskala zurück. Allgemeine Aktivität, Stimmung, Lebensfreude und Schlaf verbesserten sich im Verlauf der Studie. Die durchschnittliche tägliche Dosierung von Oxycodon betrug zu Behandlungsbeginn rund 30 mg und nach drei Wochen rund 44 mg. Die Wirksamkeit wurde von den beteiligten Ärzten zu 88 Prozent als gut bzw. sehr gut beurteilt (Abb. 1 und 2).

Abb. 1: Verbesserung der Lebensqualität unter Oxycodon.
Therapie-Umdenken erforderlich
Die bisher üblichen Therapien mit Antikonvulsiva oder Antidepressiva weisen eine hohe Zahl von Therapieversagern auf und sind oft mit Einschränkungen der Lebensqualität aufgrund von Nebenwirkungen verbunden. „Dabei sind auch die Kontraindikationen wie Glaukom, Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz bei trizyklischen Antidepressiva zu beachten“, so Wörz. Als klinisch brauchbaren Maßstab für die Wirksamkeit von Medikamenten wird die Number Needed to Treat (NNT) herangezogen. Das ist die Anzahl der Patienten, die mit der Substanz behandelt werden müssen, um bei einem Patienten eine Schmerzlinderung von mindestens 50 Prozent zu erzielen. Die NNT beträgt nach Studienergebnissen bei Carbamazepin 3,3, bei Gabapentin 3,7 und für trizyklische Antidepressiva bei diabetischer Polyneuropathie 3.
Abb. 2: Rückgang der Schmerzen.
Das Opioid Oxycodon hat eine NNT von 2,5 bis 2,6. „Oral retardierte Opioide sind daher eine erfolgversprechende Option bei starken Nervenschmerzen“, sagte WÖRZ. Oxycodon bildet keine klinisch relevanten aktiven Metabolite, was besonders bei der Behandlung älterer Menschen und bei Nierenfunktionsstörungen positiv zu beurteilen ist. „Die Bioverfügbarkeit nach oraler Aufnahme ist mit 60 bis 87 Prozent wesentlich höher als die von Morphin“, betonte WÖRZ.
Literatur
Gimbel J.S., et. al.: Controlled-release oxycodone for pain in diabetic neuropathy. A randomised controlled trial. Neurology 2003; 60 (6): 927
Watson C., Peter N., Babul Najib: Efficacy of - oxycodone in neuropathic pain. A randomized trial in postherpetic neuralgia; Neurology 1998; 50: 1837-1841
Wörz R., Frank M., Achenbach U.: Retardiertes Oxycodon – eine Therapieoption bei starken neuropathischen Schmerzen. MMW-Fortschr. Med. 2003; 145; Originalien Nr. III (im Druck)
*Pressegespräch
„Neuropathischer Schmerz: Doch opioidsensibel?- Neue Studien mit Oxycodon fordern Therapie-Umdenken“, veranstaltet von Mundipharma am 5. September 2003 am Rande des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Hamburg
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