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Palliativmedizin

Begegnungen mit Sterbenden
- was lösen sie in uns aus?

Sterbebegleitung fordert den ganzen Menschen. Über Ambivalenzen, Gefühle und Fragen im Umgang mit dem Tod berichten Magdalene Brons und Traute Cobus vom Schmerzzentrum Leer anhand eindrucksvoller Beispiele aus ihrer ambulanten Hospizarbeit.
Magdalene Brons, Leer.
eit dem Aufbau meiner Schmerzpraxis Ostfriesland ist die Palliativmedizin ein wichtiger Teil meiner Arbeit und meines Alltags. Der unverzichtbarste Teil, meine ich. Sie bildet die Schnittfläche zwischen meinen großen Interessensgebieten, zwischen beiden Studiengängen, die hinter mir liegen: sechs Jahre Theologie und sechs Jahre Medizin.
Seit 2 1/2 Jahren teile ich diese Arbeit mit einer Krankenschwester, Traute Cobus, die mit mir gemeinsam unsere Patienten im Einzugsbereich von 100 km um die Praxis zuhause betreut.
Traute Cobus, Leer.
Wir bilden kontinuierlich Pflege- und Hospizdienste und auch Kollegen, vor allem Hausärzte, weiter, mit denen wir zusammenarbeiten.
Immer wieder sprechen Traute und ich auch über das, was diese Arbeit mit uns macht. Manchmal fragen wir uns, warum so vieles immer wieder aufgewühlt wird, ob wir die Gefühle, die in uns ausgelöst werden, genauso teilen, wie die Arbeit selbst. Und, ob alle Gefühle auch sein dürfen, die in uns ausgelöst werden, denn es gibt durchaus auch unerwartete und negative unter ihnen.
Der Artikel berichtet von dem, was Palliativmedizin unter diesem Aspekt in unseren Augen ausmacht.
Dabei erzählen wir von besonderen Erlebnissen und einzelnen Patienten in diesen Jahren.
Wie weit darf Mitleid gehen?
Im Dezember 2001 wurden wir gebeten, eine 42-jährige Patientin mit metastasierendem Mamma-Karzinom, die zum Sterben nach Hause entlassen worden war, zu begleiten. Frau S. war eine Mutter von drei kleinen Kindern. Die beiden Zwillinge hatten am Nikolaustag Geburtstag. Als ich wieder einmal ein Gespräch mit ihr führte, sagte sie mir, dass es ihr größter Wunsch sei, selbst die Geburtstagsgeschenke für ihre Kinder zu kaufen. Der Geburtstag kam näher und Frau S. hatte es geschafft. Ihr Zustand hatte sich so stabilisiert, dass sie und ihr Mann in ein nahe gelegenes Einkaufszentrum fahren konnten. Dort kauften sie die Geschenke für die beiden Jungen. Es war ein beklemmendes Gefühl, als ich am Nikolaustag bei der Familie S. war. Die Kinder freuten sich riesig über ihre Geschenke. Doch für Frau S. war der Einkauf so anstrengend gewesen, dass sie kaum in der Lage war, aufzustehen. Es war eine tiefe Traurigkeit in mir, als ich ging und die Familie mit der Gewissheit allein ließ, dass dies der letzte Geburtstag mit der Mutter war. Bei weiteren Besuchen führten wir noch manch gute Gespräche und Frau S. erzählte aus ihrem Leben und wir lachten auch miteinander. Dann kam Weihnachten und Frau S. wünschte sich nichts mehr, als dieses Fest noch einmal mit ihrer Familie feiern zu können. Leider wurde ihr dieser Wunsch nicht mehr erfüllt. Frau S. verstarb an einem Morgen kurz vor Weihnachten in den Armen ihres Mannes. Der Kummer, der mich erfüllte, wenn ich bei Familie S. war, blieb noch lange. Und an Weihnachten waren meine Gedanken besonders oft bei der Familie von Frau S.. Noch heute, wenn ich durch den Ort fahre, in dem Frau S. gewohnt hat, fühle ich manchmal die Trauer von damals und frage mich dann, was wohl aus der Familie geworden ist.
Darf ich meine Angst zulassen?
Es war an einem Wochenende im Sommer 2002. Wir betreuten Frau W. erst seit kurzem. Frau W. war eine Patientin mit metastasierendem Bronchialkarzinom. Sie war vor wenigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen worden und zu ihrer Tochter gezogen. Die Tochter hatte extra ein kleines Zimmer für sie eingerichtet, um ihre Mutter betreuen zu können. Frau W. wurde von uns versorgt. Nur wenige Tage nach der ersten Begegnung mit Familie W. kam ich erneut ins Haus, um nach Frau W. zu sehen. Es war ein schöner Sommertag. Vor dem kleinen Haus der Familie W. spielten die Enkelkinder. Alles schien in Ordnung zu sein. Als ich das Haus betrat, sagte die Tochter mir, dass es ihrer Mutter nicht so gut gehe.
In ihrem Zimmer fand ich eine Patientin, die unter starker Atemnot litt und auch sonst alle Anzeichen des nahenden Todes aufzeigte. Auf die Frage, wie lange dieser Zustand schon andauere, sagte die Tochter mir, dass es schon seit ca. 2 Stunden so sei, aber das würde auch wieder vorüber gehen. Sie hatte die Situation völlig verkannt.
In mir war plötzlich ein Gefühl der Angst. Was sollte ich jetzt tun? Ich hatte zwar schon oft sterbende Menschen begleitet, doch dieses Mal kam der Zeitpunkt so unverhofft. Kurz darauf kamen die Tochter und ein Freund der Familie ins Zimmer. Ohne dass ich etwas gesagt hätte, wurde auch der Tochter plötzlich klar, dass ihre Mutter sehr bald sterben würde. In diesem Moment kam auch Frau Brons. Und ich war froh, dass ich nun nicht mehr alleine mit den Angehörigen der Patientin war. Durch einige Maßnahmen konnte die immer mehr zunehmende Atemnot gelindert werden. Da wir spürten, dass die Tochter in diesem Moment mit der plötzlich eingetretenen Situation überfordert war, blieben wir bei der Familie, bis Frau W. verstorben war.
An diesem Tag wurde mir wieder etwas deutlich: Auch wenn wir den nahenden Tod schon lange vor Augen haben, gibt es doch immer wieder Situationen, die so plötzlich eintreten, dass sie uns Angst machen.
Kann es sein, dass ich angesichts des nahen Todes wütend auf jemanden werde?
Darf ich es sein?
In einem schönen Bungalow in der Nähe von Leer lebte das Ehepaar H. Herr und Frau H. waren vor einigen Jahren aus dem Ruhrgebiet nach Ostfriesland gezogen. Da die beiden keine Kinder hatten, kümmerten sie sich bis vor einiger Zeit liebevoll um ihren Hund und einen Papagei. Auch Urlaubsreisen waren für die Beiden immer sehr wichtig gewesen. Zusammen bereisten sie fast die ganze Welt. Familie H. war sehr wohlhabend. Doch eines fehlte ihnen: Sie hatten keine Freunde. Denn Freunde kann man nicht kaufen. Schon als ich das erste Mal in das Haus kam, spürte ich diese Kälte. Frau H. war nun schon länger an einem Uterus-Karzinom erkrankt und hatte diffuse Knochenmetastasen. Als wir uns kennen lernten, hatte sie wahnsinnige Schmerzen. Oft konnte ich Frau H. schon draußen schreien und stöhnen hören. Es war nicht nur der Schmerz, der sie quälte, in ihr war auch eine tiefe Angst. Der Ehemann konnte die Situation nicht ertragen und ging dann einfach nach oben in, wie er es nannte, „sein Zimmer“. Oft haben wir dann an ihrem Bett gesessen, ich habe einfach nur ihre Hand gehalten, sie getröstet und ihr zugehört. Diese Nähe war den Beiden nicht möglich und darunter hat Frau H. sehr gelitten. In einem Gespräch mit ihrem Ehemann sagte er mir, dass diese Gefühlsduselei nichts für ihn wäre, denn er sei schließlich ein Realist. Das Problem würde nur bei seiner Frau liegen. Sie sei es schließlich, die nicht loslassen könne.
Dieses Gespräch machte mich sehr wütend. Denn nicht Frau H., sondern er selbst hatte ein Problem mit dem Loslassen. Er wollte und konnte nicht verstehen, dass man sich im Leben nicht alles erkaufen kann. Selbst uns bot er Geld an, damit wir seine Frau „besser“ betreuen als andere. Ich erklärte ihm, dass wir nicht bestechlich sind und alle Patienten gleich behandeln. Es war oft schwer für mich, diese Wut, die in mir war, zu verbergen. Das Sterben der Frau H. war schrecklich. Obwohl sie keine Schmerzen mehr hatte, dauerte es Tage. Es war fast unmöglich, sie zu beruhigen. Sie wimmerte, stöhnte und schrie nach ihrer Mutter. Ich war einfach nur froh, als sie dann schließlich doch gestorben ist. Das Bild dieser kleinen zerbrechlichen Frau, die wirklich mit dem Tod kämpfte, blieb mir noch lange vor Augen. In einem Gespräch nach dem Tod seiner Frau sagte Herr H. mir, er könne es nicht verstehen, warum wir uns, manchmal sogar nachts, so um seine Frau gekümmert hatten. Mir fehlten die Worte und ich sagte nur zu ihm: „Nein, Herr H., das können Sie auch nicht verstehen.“
Fürsorge und Ekel – wie verträgt sich das ?
Herr M. war einer der ersten Patienten, den ich mit betreute. Obwohl ich gut auf die schwierige Situation bei Herrn M. vorbereitet wurde, war es für mich nicht einfach, diesem Patienten zu begegnen. Herr M. litt an einem Mundbodenkarzinom, wodurch sein Gesicht völlig entstellt war. Oft, wenn ich an der Wohnungstür klingelte, atmete ich erst einmal tief durch, bevor ich die Wohnung betrat. Es kam mir ein süßlich, fauliger Geruch entgegen, der von Zigarettenqualm durchtränkt war. Herr M. war sehr in sich gekehrt. Es war ihm nur noch möglich, schriftlich mit uns zu kommunizieren. Ich versuchte ihm durch Berührungen und andere Gesten zu zeigen, dass es mir nicht unangenehm ist, in seiner Nähe zu sein. Doch manchmal ekelte ich mich vor seinem Anblick. Dann versuchte ich mir vorzustellen, wie Herr M. ausgesehen hat, als er noch gesund war. Das war mir eine Hilfe und ich konnte ihm wieder normal begegnen. Herr M. wurde noch einige Monate vom Hausarzt, einer ambulante Pflegeeinrichtung, die ihn liebevoll versorgten, und uns zu Hause betreut. Er verstarb – wie es sein Wunsch war – im Beisein seiner Lebensgefährtin und seiner Mutter.
Kann ich gute Arbeit leisten, auch wenn mir ein Patient fast gleichgültig ist?
Familie St. sind Spätaussiedler und leben schon seit langer Zeit in Deutschland. Herr St. war ein großer, kräftiger Mann, der in seinem Leben immer viel gearbeitet hat. Jetzt war er Rentner und wollte endlich seinem Hobby nachgehen: Er war leidenschaftlicher Angler und ganz in der Nähe seiner Wohnung war ein schöner See. Doch es sollte alles ganz anders kommen. Im Februar 2001 verspürte er einen stechenden Schmerz in der Brust. Da Herr St. schon eine Herzoperation hinter sich hatte, ging er sofort zum Arzt. Er wurde untersucht und es stellte sich heraus, dass sein Herz in Ordnung war, aber er an einem inoperablen Bronchialkarzinom litt. Die Ärzte im Krankenhaus gaben ihm noch 6 bis 8 Wochen. Jetzt war es August und Herr St. lebte noch. Seit geraumer Zeit jedoch plagten ihn starke Schmerzen. Und so wurden wir von seinem Hausarzt informiert.
Es war nicht immer einfach mit Herrn St. Anfangs gab es sprachliche Verständigungsschwierigkeiten und auch sonst war Herr St. sehr eigenwillig. Obwohl er immer hilfsbedürftiger wurde, lehnte er es ab, einen Pflegedienst einzuschalten. Wenn ich ihn nach seinem Befinden fragte, brummelte er etwas unverständliches vor sich hin. Es gestaltete sich schwierig, Kontakt zu Herrn St. zu bekommen. Er war mit der Schmerzeinstellung zufrieden und mehr wollte er nicht. Dieses Gefühl, dass unsere Hilfe einfach gar nicht erwünscht war, musste ich erst einmal akzeptieren. Es war aber auch bei mir eine gewisse Gleichgültigkeit vorhanden.
Doch kurz vor seinem Tod hatte ich ein schönes Erlebnis mit ihm. Es war im März 2003. Herr St. saß vor seiner Wohnung und genoss die ersten Sonnenstrahlen. Er, der sonst nie sehr gesprächig gewesen war, fing an zu erzählen. Er erzählte von seiner Heimat in Russland, von schönen und schweren Zeiten im Leben. Und zum Schluss sagte er, vielleicht sogar ein wenig stolz, dass er doch eigentlich nur noch 8 Wochen zu leben gehabt hätte und jetzt sei er immer noch da. Er strahlte und ein Lächeln huschte über sein sonst so ernstes Gesicht. Bei meinem nächsten Besuch nahm er mich an der Hand und führte mich durch die ganze Wohnung. Er wollte mir alles noch einmal zeigen. Dann ging er zu seinem Bett, legte sich hin und sagte: „So, jetzt kannst du gehen und musst nicht mehr wiederkommen.“
In der Nacht verstarb Herr St. Vorher hatte er noch seine Kinder und nahen Verwandten zu sich kommen lassen. Von allen hatte er sich einzeln verabschiedet und sie dann nach Hause geschickt. Nur seine Frau war bei ihm und kurz bevor er starb, sagte er noch zu ihr: „Und das haben wir alles alleine geschafft.“ Herr St. hatte sich gewünscht, diesen Weg möglichst ohne fremde Hilfe zu gehen und das war ihm auch gelungen.
Manchmal bewegen sich unsere Emotionen zwischen Trauer, Ratlosigkeit und Zurückweisung. Und nicht immer sind Trautes und meine Eindrücke kongruent. Über eines sind wir uns indessen einig.
Ein Gefühl ist die Basis für unsere Arbeit: RESPEKT.
Respekt vor der Biographie des anderen
In einem kleinen weißen Haus lebte Herr B. Er hatte seinen 49. Geburtstag gefeiert und bis vor 12 Wochen war noch alles in Ordnung gewesen. Herr B. ging seiner Arbeit nach. Abends aß er mit seiner Lebensgefährtin, spielte mit seinem Hund und ließ es sich gut gehen. Doch dann kamen die wahnsinnigen Rückenschmerzen, die Bauchschmerzen und die fürchterliche Übelkeit. Herr B. ging zum Arzt und wurde ins Krankenhaus eingewiesen. Dort stellte man fest, dass Herr B. Bauchspeicheldrüsenkrebs hatte. Die Diagnose war ein Schock, er wollte es anfangs nicht glauben. Zwei Wochen später wurde er operiert, doch es war nichts mehr zu machen.
Die Ärzte entließen ihn nach Hause zu seiner Lebensgefährtin und seinen Tieren. Sechs Jahre lebte das Paar nun schon so zusammen. So, das hieß, dass Schmutz und Chaos um sie herum Normalität war, dass der Strom und das Wasser abgestellt waren, dass die Kinder aus der letzten Ehe des Herrn B. keinen Pfennig Unterhalt sahen. Schroffheit und Beschimpfungen bestimmten den Ton im Haus. Irgendwie hatten sie auch nie die Zeit gefunden, zum Standesamt zu gehen. Doch jetzt hatten sie sich die Zeit genommen. Herr B. würde sterben, in drei bis sechs Monaten, hatten die Ärzte gesagt.
An einem schönen sonnigen Tag gingen die beiden zum Standesamt. Auch eine kleine Hochzeitsreise machte das Ehepaar B. noch. Sie fuhren Richtung Lübeck, um noch einmal die Stiefmutter von Herrn B. zu besuchen.
Über den nahenden Tod sprach Herr B. am liebsten gar nicht. Das war für seine Frau nicht einfach. Aber er hatte sich entschieden, das mit sich selber abzumachen. Er redete lieber über die kleinen Ziele, die er noch hatte: vielleicht noch einmal nach Norderney zum Angeln. Herr B. war zufrieden mit seinem Leben. Er war zur See gefahren, hatte fast die ganze Welt gesehen, und jetzt hatte er auch noch eine Ehefrau. Herr B. verstarb nur wenige Wochen nach seiner Trauung im Beisein seiner Frau.
Respekt vor den Tabus
Im August 2001 hatte Herr V. seinen 75. Geburtstag gefeiert. Er hatte ein schönes Haus, eine Lebensgefährtin und war stolz auf sein Leben. Doch schon seit einiger Zeit hatte er ein großes Problem, über das er nicht reden konnte. Auch gesundheitlich ging es ihm nicht gut. Herr V. hatte ein Prostatakarzinom. Die Knochenmetastasen verursachten starke Schmerzen. Bei meinem ersten Besuch hatte ich ein seltsames Gefühl. Nach außen hin schien bei Herrn V. und seiner Lebensgefährtin alles in Ordnung zu sein. Doch irgendetwas sagte mir, hier stimmt was nicht. Wir blieben telefonisch in Kontakt.
Zwischenzeitlich hatte Herr V. kaum noch Schmerzen. Es war Abend, wir waren gerade auf einer Geburtstagsfeier und saßen gemütlich zusammen. Da klingelte mein Diensthandy, über das ich 24 Stunden erreichbar bin. Die Lebensgefährtin von Herrn V. bat mich zu kommen und ich fuhr sofort los. Schon auf dem Hinweg machte ich mir Gedanken, denn der Anruf war etwas seltsam gewesen. Als ich das Haus betrat, kam mir die Lebensgefährtin in stark alkoholisiertem Zustand entgegen. Sie versuchte mich mit ihrer Unterarmgehstütze zu schlagen und beschimpfte mich wüst. Ich rettete mich in die Küche. In diesem Augenblick kam zum Glück der Schwiegersohn. Er konnte die Frau beruhigen. Als ich ins Schlafzimmer von Herrn V. kam, weinte er. Aber nicht vor Schmerzen. Er schämte sich für seine Frau und flehte mich förmlich an, ihn doch trotz dieser peinlichen Situation weiter zu betreuen. Seine Lebensgefährtin war Quartalstrinkerin. Und in ihrem Rausch hatte sie mich für die Erkrankung ihres Mannes verantwortlich gemacht. Ich beruhigte Herrn V. und versicherte ihm, dass ich ihn weiter betreuen würde. Wir hatten ein langes eingehendes Gespräch, in dem immer mehr von der schönen Fassade bröckelte. Die nach außen hin intakt scheinende Familie hatte große Probleme, über die nicht gesprochen wurde.
Dieses Erlebnis ist mir noch lange im Kopf geblieben. Und als ich spät abends wieder auf der Geburtstagsfeier war, war mir nicht mehr nach Feiern zu Mute. Auf den zweiten Blick ist oft nicht alles so, wie es zuerst erscheint. Dann ist es auch manchmal meine Aufgabe, in den Familien zu vermitteln. Doch das gelingt oft nur schwer. Dinge, die Zeit Lebens ein Problem waren, kann und darf niemand, der in der letzten Lebensphase ein Begleiter wird, noch ändern. Das ist etwas, mit dem ich manchmal nur schwer umgehen kann.
Die Achtung des anderen, auch angesichts von Lebenslügen, die sich in der letzten Phase nicht immer als tragfähig erweisen, ist die Bedingung – alles andere an Gefühlen darf sein. Wir müssen nur davon wissen!
MAGDALENE BRONS, TRAUTE COBUS, Leer

brons@STK-ev.de

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